Derzeit 400 Arbeiter in Fukushima

Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo hat mit Kazuma Yokota, einem Mitarbeiter der japanischen Behörde für nukleare und industrielle Sicherheit gesprochen. Yokota war fünf Tage im Kernkraftwerk Fukushima zugegen, um sich einen Eindruck vom Fortschritt der Arbeiten zur Rettung der havarierten Reaktoren zu machen. Offiziellen Angaben zufolge befinden sich derzeit in etwa insgesamt 400 Arbeiter im Einsatz.

Hartkekse & Gemüsesaft zum Frühstück

Die Angestellten der Tokyo Electric Power Co. und diverser Subunternehmen stehen in der Regel vor sechs Uhr Früh auf und beginnen ihren Tag mit einem Frühstück, zu welchem sie jeweils eine Packung mit 30 Hartkeksen und 180 ml Gemüsesaft erhalten.

Hartkekse, wie sie die japanische Marine verwendet Quelle: ja.wikipedia.org

Hartkekse, wie sie die japanische Marine verwendet Quelle: ja.wikipedia.org

In Deutschland bezeichnet man derartige Cracker mit dem Begriff Hartkeks oder Zwieback, da durch öfteres Backen Flüssigkeit entzogen wird. Daher ist diese Kekssorte gegenüber Nässe und Zerbrechen besonders unempfindlich und aufgrund des hohen Fettgehaltes sehr nährstoffreich. Derartige Kekse werden vor allem von Soldaten im Einsatz verzehrt,wenn kein anderes Nahrungsmittel zu beschaffen ist. In Japan werden diese Kekse mit dem Begriff 乾パン (kanpan) bezeichnet, was schlichtweg mit “getrocknetes Brot” zu übersetzen ist.

Kein Mittagessen, 1,5 Liter Wasser am Tag

Nach diesem spärlichen Frühstück begeben sich die Arbeiter an den ihnen zugeteilten Einsatzort  innerhalb des Atomkraftwerks und nehmen Ihre Arbeit auf. Bis zum 22. März erhielt jeder Arbeiter jeden Tag lediglich eine 1.5 Liter Flasche Wasser, mittlerweile erhalten sie auf Verlangen mehr Wasser, da sich die Versorgungslage etwas verbessert habe.

Die Arbeiter im AKW Fukushima erhalten 1.5 Liter Mineralwasser pro Tag

Die Einsatzkräfte arbeiten dann ohne Mittagessen bis zur Abenddämmerung, welche derzeit gegen ca. 17:00 einsetzt und kehren dann in Ihre Unterbringung auf dem Gelände des Kernkraftwerks zurück. Nach Angaben von Yokota, der einige Tage in der Anlage verbrachte, sehen die Arbeiter mittlerweile sehr erschöpft aus. Zum Abendesse erhält jede Person einen Dose mit Hühnchen oder Fisch und etwas Reis, welchen sie mit Mineralwasser kochen. Die Mahlzeiten werden laut Yokota meist schweigend eingenommen, einige beschweren sich aber über die Verpflegung.

Schlafen in der Strahlung ohne Kontakt zur Außenwelt

Nach dem Abendessen, gegen acht Uhr abends findet noch ein Meeting statt, in welchem die Fortschritte des Tages besprochen werden. Nach Beendigung eines Meetings klatschen die Arbeiter nach Aufruf eines Teamleiters in die Hände und beenden das Meeting mit dem Ausruf “Ganbarou!” (jap.: 頑張ろう!) ” Lasst uns Durchhalten” bedeutet.

Danach begeben sich die Arbeiter an Ihren Schlafplatz, welcher sich in Konferenzräumen oder Gängen des Gebäudes befindet. Die derzeitige Strahlung dort beträgt offiziellen Angaben zufolge zwischen 2-3 Mikrosievert pro Stunde.

Decke mit Bleieinsätzen zum Schutz vor radioaktiver Strahlung

Die Arbeiter versuchen sich vor der Strahlung durch Decken, welche Blei enthalten, zu schützen. Die meisten Arbeiter werden wöchentlich durch neue Kräfte ausgetauscht. Kontaktaufnahme zur Außenwelt ist nicht möglich, da kein Mobilfunkempfan möglich ist.