TEPCO Boss Masatake Shimizu bei einer der wenigen Pressekonferenzen, bei denen er persönlich anwesend war

Der Karrierebeginn: Shimizu wird Tepcos erfolgreichster Sparer

Shimizu kam bereits 1968, im Alter von gerade 23 Jahren, zu Tepco. Zuvor hatte er ein Verwaltungsstudium an der Eliteuniversität Keio in Tokio abgeschlossen. Shimizu wurde Leiter der Beschaffungsabteilung, wo er sich schnell einen Ruf als knallharter Sparer und Kostendrücker erwarb. In den folgenden 40 Jahren stieg Tepco zum viert größten Energiekonzern der Welt auf – und Shimizu machte im Konzern Karriere. Er leitete die Unternehmenskommunikation, als Tepco wegen vertuschter Störfälle und verschleppter Inspektionen zunehmend in die Kritik geriet. 2006 wurde er Vizepräsident.

Shimizu gilt als Verwaltungsspezialist, aber nicht als Konzernlenker mit dem Blick für das große Ganze und den nötigen diplomatischen Fähigkeiten. Beobachter trauten dem Manager deshalb das höchste Amt im Konzern nicht zu. Sie gingen davon aus, dass der Aufstieg Shimizus mit dem Stellvertreter-Posten beendet sei.

Die Tepco-Skandale: Shimizu wird Vorstandsvorsitzender

Doch seine Kritiker täuschten sich. Im Sommer 2008 wurde Shimizu doch Vorstandschef. Die vielen Skandale um vertuschte Unfälle in den Atommeilern Tepcos hatten seinen Vorgänger das Amt gekostet. Bereits seit den 1960er Jahren stand der Energiekonzern im Verdacht, Inspektionsberichte gefälscht und Mitarbeiter in Kontrollbehörden bestochen zu haben. Seinen Höhepunkt erreichte die Affäre 2002: Die japanische Regierung ließ alle 17 Tepco-Reaktoren abschalten und ordnete systematische Überprüfungen an. Obwohl die Untersuchungen erhebliche Sicherheitsmängel dokumentierten, gingen die Meiler ein Jahr später wieder in Betrieb – unter großem Protest der japanischen Bevölkerung.

2007 kam es schließlich um Eklat. Nur scheibchenweise wurde bekannt, dass Japan bereits damals am Rande einer Atomkatastrophe stand. Nach einem Seebeben geriet das Atomkraftwerk Kashiwazaki in Brand. Radioaktiver Dampf trat aus. Auch über das Abwasser geriet strahlendes Material in die Umwelt. Tepco verschwieg diese Vorfälle den Kontrollbehörden. Als die Affäre aufflog, musste der Vorgänger Shimizus gehen. Da sich niemand sonst fand, der den als intransparent und schwerfällig geltenden Konzern übernehmen wollte, rückte Shimizu auf den Spitzenposten nach.

Die Atomkatastrophe: Shimizu taucht ab

Doch wenn er damals als Hoffnungsträger galt, ist er keine drei Jahre später offensichtlich zum Totengräber des Konzerns geworden. Sein Krisenmanagement hat ihm international heftige Kritik eingebracht. Die japanische Regierung wirft Shimizu öffentlich vor, Informationen über das Ausmaß der Katastrophe nach dem verhängnisvollen Tsunami systematisch unterdrückt zu haben. So habe die Regierung erst aus dem Fernsehen von den Explosionen im Kraftwerk Fukushima erfahren. Mittlerweile koordiniert die Regierung die Rettungsarbeiten – gegen die offensichtliche Entmachtung protestierte Shimizu nicht. Auch die drohende Verstaatlichung des Konzerns führte kaum zu einer wahrnehmbaren Reaktion von Tepco. Insider berichten, dass sich der Konzern zu wenig in die Rettungsstrategie einbringe. Shimizu selbst hat sich bereits Mitte März krank gemeldet – wegen Bluthochdrucks. Seither ist er nur selten auf den Krisensitzungen aufgetaucht. Meist schickte er Untergebene. Das ist in Japan zwar ein übliches Verhalten von Spitzenmanagern – international war die Kritik daran aber nicht zu überhören.

Die japanische Regierung hat die Atomkatastrophe in Fukushima mittlerweile auf eine Stufe mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gestellt. Nicht nur die Karriere von Shimizu scheint beendet. Insider glauben, dass der gesamte Konzern mit mehr als 50 000 Mitarbeitern keine Zukunft mehr hat.

Video: Shimizu murmelt eine Entschuldigung bei seinem ersten Besuch der Präfektur Fukushima