Edano Yukio, Jahrgang 1964, ist keine Experte in Sachen Atomanlagen, sondern Rechtsanwalt. Sein Lebenslauf liest sich wie eine politische Karriereleiter, die mit zahlreichen Rückschlägen versehen ist. Nach seinem mehr oder weniger erfolgreichen Wirken in kleineren Parteien, war er im Jahre 1996 Gründungsmitglied der “Demokratischen Partei Japans”. Für sie kandidierte er im selben Jahr für das japanische Parlament, gewann seinen Wahlkreis, um ihn bereits bei der nächsten Wahl wieder zu verlieren und bei der nächsten wieder zu gewinnen – und dann bei jeder Wahl bis zum heutigen Tage.

2010 war er etwa ein halbes Jahr Generalsekretär der “Demokratischen Partei”, wurde abgesetzt, blieb aber Stellvertreter. Dann ernannte ihn Ministerpräsident Kan zum “Chefkabinettssekretär und Staatsminister für Angelegenheiten von Okinawa und der Nördlichen Territorien”. Die Funktion des “Chefkabinettssekretärs” ist in Japan auch das Amt eines Regierungssprechers. Edano Yukio wurde auch in Sachen Atomkatastrophe zum Regierungssprecher ernannt, da er auf große politische Erfahrung zurückgreifen kann und als absolut loyal gilt.

Edano Yukios Aufgabe ist fast nicht lösbar, einmal soll er objektiv über die atomare Katastrophe berichten, auf der anderen Seite muss er darauf achten, keine Panik unter der Bevölkerung auszulösen. Er wirkt bei seinem täglichen Statement überfordert, was den Verdacht weckt, dass er nicht alle neuesten Erkenntnisse weitergeben darf, obwohl er es gerne täten.

Aufgrund der Häufigkeit seines Erscheinens bei im Fernsehen übertragenen Regierungserklärungen zum Thema Fukushima wird Edano bei Twitter mit dem Hashtag “#edano_nero” bezeichnet. Die ist eine Art Wortspiel, “nero” (jap.: 寝ろ!) ist der Imperativ des japanischen Verbs für schlafen, der Hashtag bedeutet auf deutsch in etwa Edano_schlaf!