Seit 1477 existierte in Japan keine regierungsfähige Zentralgewalt mehr. Auch der Kaiser, der Tennō, war machtlos und höchstens noch von symbolischer Bedeutung. Die Daimyō, welche man am treffendsten als Kriegsherren bezeichnen könnte, bekriegten sich stetig. Erst 1590 konnte Toyotomi Hideyoshi das Land unter seiner Herrschaft einen. Er versäumte allerdings sicherzustellen, dass seine hart erkämpfte Macht auf seine Nachkommen übergehen konnte. Nach Hideyoshis Tod im Jahre 1598 schlug die Stunde eines Daimyō, der schon seit langem aktiv am Projekt der Reichseinigung mitarbeitete.

Der Beginn der Edo-Zeit

Tokugawa Ieyasu ließ sich 1603, drei Jahre, nachdem er seine mächtigsten Gegenspieler militärisch besiegt hatte, vom Tenno zum Shogun ernennen. Traditionsgemäß war dieser Titel erblich. Doch nach Ansicht vieler Daimyō hätte er nach dem Rotationsprinzip immer wieder einem anderen Fürstenhaus zugestanden.

So sah Ieyasu sich 1605 gezwungen, zurückzutreten und seinen Sohn Hidetada als Shōgun einzusetzen, natürlich ohne tatsächlich die Macht aus der Hand zu geben. Nachdem er 1615 bei seinem „Sommerfeldzug“ alle Hinterbliebenen seines früheren Verbündeten Toyotomi Hideyoshi vernichtet hatte, gab es niemanden mehr, der ihm ernsthaft die Herrschaft streitig machen konnte.
Sein Hauptquartier hatte Ieyasu in dem unbedeutenden Fischerdorf Edo, das ihm seit 1590 gehörte, errichtet. Um sich vom Kaiserhof in Kyōto abzugrenzen, ließ er Edo zum dauerhaften Regierungssitz ausbauen.

Das Ständesystem der Edo-Zeit

Schon Hideyoshi hatte weitreichende Reformen durchgeführt. Er hatte das Ansehen des Kaiserhofes wiederhergestellt, ohne diesem wirkliche Macht zuzugestehen. Nach einer groß angelegten Landvermessung, die auch die Bodenqualität berücksichtigte, konnte eine angemessene Abgabenlast der Feudalherren weitaus zuverlässiger als bisher ermittelt werden. Das neu eingerichtete Ständesystem verwehrte der Bevölkerung die freie Berufswahl. Bauern war es beispielsweise unter Strafandrohung verboten, die Bestellung der Felder aufzugeben. Sie hatten ihrem Daimyō einen Pachtzins zu entrichten. Die Landbevölkerung wurde entwaffnet. Eine strikte Trennung des Bauern- und des Soldatenstandes (Samurai) trat in Kraft, niemand durfte vom einen Stand in den anderen übertreten. Die beiden anderen Stände der Kaufleute und der Handwerker unterlagen gleichfalls starken Beschränkungen, die auch Umsiedlungen einschließen konnten. Der gesamte Außenhandel stand unter der Kontrolle der Beamten Hideyoshis. Freier Handel existierte nicht mehr.
Ieyasu verfeinerte das bestehende System. Sein Augenmerk galt aber zunächst den Daimyō. Jeder von ihnen durfte nur eine Burg unterhalten. Selbst Reparaturen mussten genehmigt werden. Außerdem hatten sie in Edo Zweitwohnsitze zu unterhalten und zu bestimmten Zeiten des Jahres in der Hauptstadt zu verweilen. Aufstände gegen den Shōgun wurden so unmöglich.
Die Trennung der Stände wurde zementiert. Nicht nur Wohnort und Beruf, sondern auch die Kleidung war für alle reglementiert. Ehen zwischen Angehörigen verschiedener Stände waren untersagt. Soldaten hatten das Recht, Händler, Handwerker oder Bauern, die ihnen den Respekt verweigerten, zu töten. Ein Hauptziel dieser Maßnahmen war es, sicherzustellen, dass die Bauernschaft dauerhaft an den Boden „gebunden“ war und das Land mit Nahrung versorgte.

Die Isolation Japans

Um 1600 blühte der Außenhandel. Selbst Hideyoshis Verbot des Christentums (die unbedingte Loyalität vieler Christen ihrem Glauben gegenüber hatte ihn zutiefst irritiert und erschreckt) hatte daran nichts geändert. Als aber weiterhin Missionare ins Land kamen, sah die Regierung ihre Autorität, die vor allem durch den wiedererstarkten Buddhismus gestützt wurde, ernsthaft bedroht. Nach und nach wurden dem Schiffsverkehr Beschränkungen auferlegt. Seit 1631 durften nur noch vom Shōgun autorisierte Schiffe die Häfen verlassen, ab 1635 schließlich durften Japaner weder das Land verlassen noch, sofern sie sich gerade im Ausland aufhielten, wieder zurückkehren. Ab 1639 war es nur noch holländischen Handelsschiffen gestattet, Japan anzulaufen.
Fortan war die japanische Gesellschaft ein „geschlossenes System“. Die vier Stände sahen sich zahllosen Regulierungen unterworfen. Lediglich auf dem Gebiet der Kultur taten sich einige Freiräume auf.

Gesellschaft und Kultur der Edo-Zeit

Schon seit dem sechzehnten Jahrhundert war das Volk Hauptträger der Kultur. Im Laufe der Zeit gelang es, diese von der Religion und ihren Zwängen zu lösen. Bauernschaft und Bürgertum erhoben das Theater, insbesondere Puppentheater und Kabuki, zur hohen Kunst. Der Literat Chikamatsu Monzaemon, der noch heute als einer der bedeutendsten Autoren Japans gilt, setzte sich kritisch mit den Moralansichten seiner Zeit und den wirtschaftlichen Folgen des Ständesystems auseinander. Zudem etablierte sich eine nationsübergreifende Volkskultur.
Dem setzte die Regierung eine immer mächtigere Bürokratie entgegen. Die Informationsfreiheit beispielsweise unterlag starken Beschränkungen. 1684 erging ein Verbot „leichtfertiger Lieder“ und der „Darstellung aktueller Ereignisse auf einseitigen Nachrichtenblättern“. Es konnte jedoch nicht verhindert werden, dass sich die Teile der Bauernschaft, die durch Handel mit landwirtschaftlichen Produkten zu einigem Wohlstand gekommen waren, zu Verbänden zusammenschlossen und dadurch regional an Einfluss gewannen. Viele verließen ihren Stand. In manchen Regionen kam es wegen einer hohen Abgabenlast zu Bauernaufständen.

Übergang in die Meiji-Zeit

Im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert wurde es immer schwieriger, das mühsam austarierte gesellschaftliche Gleichgewicht zu erhalten. Auch die Kansei-Reform um 1800, die nach einer Hungersnot den Bauernstand wieder in seine Schranken weisen sollte, konnte das Streben nach freierem Handel nicht aufhalten. Manufakturen entstanden. Der vormalige Staatsrat Tanuma plante bereits heimlichen Handel mit Russland. Das Feudalsystem verlor an wirtschaftlicher Bedeutung. Die Shōgune waren diesen Herausforderungen nicht gewachsen.
Als 1853 Admiral Matthew C. Perry die Öffnung der Häfen für den Außenhandel erzwang, hatte Japan den Veränderungen keinen allzu bedeutsamen Widerstand mehr entgegenzusetzen. Nach einer fruchtlosen Kampagne gegen die Ausländer richtete sich die allgemeine Wut gegen das Shōgunat, das die Kampagne unterdrückt hatte. 1867 übertrug der politisch geschwächte Tokugawa Yoshinobu, der letzte Shōgun, die Macht an Kaiser Mutsuhito, dessen Regierungszeit den Namen Meiji trug. Dieser verlegte im Folgejahr seinen Hof nach Edo und nannte die Stadt „Östliche Hauptstadt“, Tokio.