Die traditionell japanische Küche

Die traditionell fettarme Küche des Inselstaates Japan ist wesentlich bestimmt von einheimischen Lebensmitteln wie Reis, Gemüse und Meeresfrüchten. Fleischverzehr war lange Zeit ganz oder teilweise tabuisiert. Erst seit relativ kurzer Zeit ( etwa seit den 1850er Jahren) ist die Haltung von Rindern als Nahrungslieferanten üblich und Rindfleischverzehr allgemein verbreitet. Schweinefleisch erfuhr noch später, nämlich etwa in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, in Japan kulinarische und gesellschaftliche Akzeptanz. Wichtigste und nahezu alleinige Hauptlieferanten tierischen Eiweißes waren über Jahrhunderte Fisch und Meeressäuger. Insbesondere Wale, die in der japanischen Küche als Fische gelten, spielten lange eine bedeutende praktische und in Folge bis heute als nationales Identifizierungsmuster für viele Japaner eine sozial und kulturpolitisch herausragende Rolle.

Geschichte des Walfangs in Japan

Gelegentlicher Walfang mit der Lanze ist für Japan seit dem 12. Jahrhundert belegt. In der Regel handelte es sich dabei aber um das ufernahe Erlegen von gestrandeten oder durch Krankheit oder Verwundungen geschwächten Tieren.

Wahrscheinlich erst Ende des 16. Jahrhunderts haben Japaner begonnen, regelrechten Walfang auf See mit Harpunen und seit Mitte des 18. Jahrhunderts auch teilweise mit Netzen („Amitori-shiki -Methode“) zu treiben. Bei der „Amitori-shiki -Methode“ werden Wale von bis zu zwanzig Booten in Strandnähe getrieben, wo etwa sechs mit Netzen verbundene Boote eine Art Riesenreuse bilden, in der sich die Wale verfangen sollen.

Verwertung des Wales

Verwertet wurde nicht nur das Fleisch der erlegten Tiere, sondern auch ihre Innereien, und der Waltran. Walfleisch wurde und wird vielfältig, zum Beispiel roh als Sashimi , gebraten, als Suppeneinlage sowie als Räucher- oder Trockenfleisch gegessen. Walöl war begehrt als Grundstoff für Lampenöl, Seifen oder Düngemittel. In den frühen japanischen Walfangtagen achteten die Walfänger im Gegensatz zu ihren europäischen und nordamerikanischen Berufskollegen darauf, die Walbestände nicht zu überjagen.

Industrieller Walfang

Die Übernahme von norwegischer Walfangtechnologie um 1900 und die Erbeutung vieler russischer Walfangschiffe als Ergebnis des gewonnenen russisch-japanischen Krieges von 1904/05 gab Japans Walfangindustrie einen enormen Schub.

Um die Proteinversorgung nach dem Zweiten Weltkrieg zu gewährleisten, wurde der kommerzielle Hochseewalfang in Japan staatlicherseits massiv subventioniert. Dadurch sollte auch die heimische Fischerei-Industrie gefördert, die Devisenquelle Walöl gesichert und Arbeitsplätze geschaffen werden. Neben der Hochseewaljagd war auch die küstennahe Bejagung innerhalb einer 200-Seemeilen-Zone von Baird-Schnabelwalen, Grindwalen und Zwergwal-Arten sowie Rundkopfdelphinen und Schweinswalen von Bedeutung.

Noch in den 1960er Jahren deckte Walfleisch mehr als ein Fünftel des japanischen Fleischkonsums ab. 1962 betrug die japanische Walstrecke 220.000 Tonnen.

Konsum von Walfleisch im heutigen Japan

Heute hat Walfleisch für die nationale Ernährung keine Bedeutung mehr. Die Nachfrage ist so gering, dass ständig mehrere tausend Tonnen Walfleisch eingelagert, zu Dumpingpreisen verkauft oder zu Hundefutter verarbeitet werden. Als Gründe für die praktisch gegen Null gehende Nachfrage für Walfleisch werden unter anderem neben der Verdrängung von Walöl durch synthetische Produkte veränderte Geschmackspräferenzen genannt, die das eher trockene Walfleisch ausgrenzen. Auch hat Walfleisch für viele Japaner immer noch das negativ besetzte Notzeiten-Image als Nachkriegs-Ersatznahrung, die ihre Entsprechung beim Image der deutschen „Schlechte Zeiten“-Steckrübe findet. Auf der anderen Seite sind etliche Japaner in der Vergangenheit lange bereit gewesen, Luxus-Preise für Walfleisch zu zahlen. Im Jahr 1967 aß der Durchschnittsjapaner noch zwei Kilo Walfleisch, 2005 trotz Sinken der subventionierten Preise nur noch 50 Gramm. Der Versuch, für Walfleisch durch Belieferung von Kindergärten-Mensen neuen Bedarf zu schaffen, scheiterte zum Teil am Protest der lokalen Bevölkerung, die darauf hinwies, dass der Verzehr des mit Schadstoffen oft hoch belasteten Walfleisches gerade für Kinder extrem gesundheitsschädlich sein kann.

Die Internationale Walfangkommission (IWC)

Seit 1951 ist Japan Mitglied der Internationalen Walfangkommission (IWC) von 1948, deren Hauptaugenmerk in der unmittelbaren Nachkriegszeit zunächst auf der größtmöglichen Ausbeutung der Walbestände lag. Inzwischen sieht die IWC mit ihren 88 Mitgliedsstaaten ihre Hauptaufgabe aber im Schutz der Wale. Deshalb gab und gibt es teilweise heftige Auseinandersetzungen mit großen Walfangnationen wie Norwegen, Island und auch Japan. 1982 beschloss die IWC ein internationales Verbot (Moratorium) des kommerziellen Walfangs, das 1986 in Kraft trat. Die ebenfalls den Reglementierungen der IWC unterliegenden Küstenwaljagd wird heute in Japan ausschließlich von den vier Orten Abashiri, Ayukawa, Wada und Taiji aus betrieben. In diesem Zusammenhang sollte darauf hingewiesen werden, dass außerhalb des sachlichen Zuständigkeitsbereichs des IWC in Japan jährlich etwa 22.000 Kleinwale wie der Dall-Hafenschweinswal blutigen Treibjagden zum Opfer fallen.

Japan & das Walfang Moratorium

Das seit 1987 trotz IWC-Moratoriums zur Verwertung auf dem japanischen Markt angebotene Walfleisch stammt aus Fängen, die offiziell in Übereinstimmung mit Sonderregeln des Moratoriums das Ergebnis von wissenschaftlichen Forschungen sind. Dabei nimmt Japan auch das Recht für sich in Anspruch, im 1994 von der IWC ausgewiesenen antarktischen Walschutzgebiet zu jagen. Das 1987 gegründete, für den Walfang federführende japanische, dem Landwirtschaftsministerium (MAFF) angebundene Institute for Cetacean Research (ICR) ist für die Vermarktung der im Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen Walprogramm erlegten Wale zuständig. 2009 brachte Japan etwa 7500 Tonnen Walfleisch aus dem Hochsee- und Küstenwalfang sowie als Beifang der Fischerei auf den Markt. 2010 wurde das Hochseewalfangprogramm, in dessen Rahmen unter anderem 935 Zwergwale erlegt werden sollten, wegen heftiger internationaler Proteste und publikumswirksamer Aktionen von Umweltorganisationen wie Green Peace oder Sea Shepherd Conservation Society ausgesetzt.

Walschutz & Japan

Den Argumenten der Umweltschützer, dass nur ein striktes Jagdverbot für alle Groß- und Kleinwale den nachhaltigen Bestand dieser Meeressäuger garantieren kann, setzt die japanische Seite eine andere Position gegenüber. Für das offizielle Japan ist die Bejagung des Wals schon lange keine Frage ernährungspolitischer Notwendigkeit mehr, sondern eine Frage des nationalen Prestiges geworden. Das Hauptargument ist der Hinweis auf den angeblich hohen kulturellen Identitäts-Wert des Walfangs für die japanische Nation. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass die japanischen Fangschiffe ausschließlich nicht gefährdete Walarten bejagen würden, um wissenschaftlich zu erforschen, ob bestimmte Formen des Walfangs tauglich für die Nahrungsmittelversorgung hungernder Regionen sein könnten.

Japan wird von Walschützern vorgeworfen, zur Durchsetzung seiner Position im Rahmen der IWC ärmere IWC-Nationen mit als Entwicklungshilfe getarnten Geldern zu bestechen, um so eine Mehrheit für eine Lockerung des kommerziellen Walfangverbots zu ereichen. Seit 2010 wird tatsächlich die teilweise Aufhebung des kommerziellen Jagdverbots für mutmaßlich in ihrem Bestand nicht gefährdete Walarten von der IWC diskutiert.

Neben Greenpeace rückte innerhalb der letzten Jahre eine weitere Gruppierung ins Licht der Öffentlichkeit. Die Organisation Sea Shepard wurde von Paul Watson, einem der ersten Greenpeace Mitglieder, gegründet und verfolgt Ihre Ziele mit durchaus als drastisch zu bezeichnenden Mitteln. Hierbei kam es in den letzten Jahren immer wieder zu regelrechten Konfrontationen auf dem offenen Meer, bei welchem Menschenleben auf beiden Seiten ernsthaft gefährdet wurden.
Das folgende Video zeigt, wie ein Schnellboot von Sea Sheperd von einem japanischen Walfänger gerammt wird.