Fuji Mountain Race

Artikel geschrieben von Thomas Köhler
58. Fuji Mountain Race 2005

In der Schweiz

Die durchschnittliche Finisherquote liegt bei höchstens 45%, was bereits viele Läufer an einer Teilnahme dieses traditionellen Berglaufes zurück schrecken lässt.
Schätzt man aber seine Fähigkeiten realistisch ein, lohnt es sich darüber nach zudenken. Mit intensivem Trainingsaufbau kann auch dieses Ziel erreicht werden.

Mein erster Gedanke war, „wenn ich den Swiss Alpine Marathon K42, Zermatt- und den Jungfrau Marathon gelaufen bin und auch einen Städtemarathon in 3 Std. 14 min. laufen kann, dann sollte doch auch der Berg Fuji in 4Std. 30min. zu schaffen sein“.
Gedacht getan, nach dem Motto, „Spass muss sein“ und schon war die Anmeldung über das Internet erfolgt.
Ab sofort war der 22. Juli in meiner Agenda mit, „Fuji-Lauf, Start am 22. Juli, 07:30h“ verplant.

In Japan

Noch genau 10 Sekunden bis zum Start. Es herrscht Stille und ich freue mich auf dieses Laufabenteuer.
Dann, ein Knall und die ersten Schritte führen mich ins vertraute Läuferdasein zurück.
Mit gegenseitigem Zurufen, „ganbarimashou“, was so gut wie, „lass uns durchhalten“ bedeutet, lässt man die Startlinie hinter sich. Kaum ist die erste Kreuzung erreicht, stehen schon unzählige Zuschauer auf dem Gehsteig und rufen uns mit lautfröhlichen Stimmen „Ganbatte, Ganbatte kudasai“ zu.
Ich erinnere mich an die Empfehlung eines Einheimischen, der mir beim abendlichen Ofuro (Thermalbad) einen nützlichen Tipp gab, „versuche die ersten 11 km in 1 ½ Std. zurückzulegen, sonst wird es sehr schwierig das Ziel unter 4 Std. 30 min. zu erreichen. Die Zeitvorgaben beginnen bereits bei der 5. Station, bei 15 km muss man um 10 Uhr, bei der 8. Station um 11:40 Uhr ankommen, sonst wird man disqualifiziert. Passiert man die 5. und 8. Station innerhalb den vorgegebenen Zeiten und das Ziel (10. Station) unter 4 Std. 30 min., so zählt man zu den stolzen Finishern.

Die morgendliche Temperatur liegt bereits bei 25 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit über 75%. Nach den ersten zehn Minuten denke und hoffe ich zugleich, dass es baldmöglichst kühler wird. Ich nehme meinen ersten Schluck Wasser aus der Trinkflasche. Den Blick auf den Fuji fixiert und meine Gedanken irgendwo dazwischen, laufe ich dem weit entfernten Ziel entgegen. Nach ca. 4 km sind wir am Waldrand, Richtung Sengen Jinja (Schrein) angelangt. Die Steigung wird spürbar und die Hitze macht mir zu schaffen, so dass ich öfter einen Schluck Wasser zu mir nehmen muss.

Plötzlich weichen die Läufer vor mir nach links und rechts, die erste Verpflegungsstelle!
Ein Gerangel, wie in einem Wespennest. Ich versuche bis zum Getränketisch durchzukommen, muss aber kurze Zeit warten bis ich mir zwei Becher Wasser ergattern kann. Den Ersten trinke ich so schnell, als hätte ich schon Stunden kein Wasser mehr zu mir genommen und den Zweiten kippe ich hastig in meine Trinkflasche. Danach geht`s gleich wieder weiter. „Sofort das Tempo finden und konzentriert weiter laufen“, denke ich.

Nach dem wir den Sengen Schrein passiert haben, befinden wir uns in einer dicht bewaldeten Gegend, wo der Yoshida-guchi Kletterweg beginnt.
Mit aller Kraft versuche ich mein Tempo zu halten, merke aber schnell, dass es zwecklos ist. Trotz Steigung und Unebenheiten versuche ich schnellstmöglich zu laufen, immer mit dem Gedanken die ersten 11 km in 1 ½ Std. zurückzulegen. Bereits hier beginnen die ersten Läufer im Wanderschritt hochzugehen. Bis nach Umagaeshi sind es 11 km, d.h. ich habe jetzt nach mehr als 4 km genau noch 60 Minuten Zeit bis zur 11 km Marke.

Trotz grosser Anstrengung bemerke ich Schreine und Denkmäler, die nur einige Meter vom Wege entfernt stehen. Für uns westlichen Läufer ein ungewohntes Bild. Ich versuche mir vorzustellen, wie es gewesen sein könnte, als die Japanischen Krieger in der Tokugawa Zeit die Fuji-Wälder durchstreiften.
Der Laufpfad wird schmäler, wir steigen in langsamen Schritten eine steile Böschung hoch. Eine Lichtung ist zu sehen und zugleich kommt die nächste Verpflegungsstation!
Nach einer kurzen Verpflegungspause fühle ich mich gestärkt und versuche im Laufschritt weiter zugehen. Doch nach einigen Minuten kann ich meinen Atem nicht mehr kontrollieren und steige wie die meisten Läufer in schnellem Wanderschritt bergaufwärts.
Erstaunt registriere ich die Uhrzeit und bemerke, dass ich bereits 1 Std. 45 min. unterwegs bin. Mein erster Gedanke, „habe ich die 11 km Marke passiert?“ Ich frage einen Sanitäter, der wie angewurzelt an der Wegstrecke steht, ob Umagaeshi schon hinter uns liegt. Seine Antwort, „jawohl, die fünfte Station wird die Nächste sein.“ „Gut, dann kann ich kann es ja noch reichen“, denke ich.

Nach einem weiteren Kilometer nimmt die Steigung stark zu. Zweifel kommen auf, „kann ich das wirklich bis zum Gipfel durchstehen, werde ich das Ziel in 4 Std. 30 min. erreichen?“
Die Baumgrenze ist erreicht. Mit dem Blick auf eine atemberaubende Landschaft, übersät von schwarzem Lavagestein, lösen sich meine Gedanken vom Laufen. Ich habe das Gefühl auf dem Mond angekommen zu sein. Eine karge und dennoch beeindruckende Vulkanlandschaft offenbart sich uns. Ich versuche mir vorzustellen, wie es auf dem Gipfel aussehen könnte, schaue nach oben zum weit entfernten Kraterrand und denke an den Ausblick, vom Ziel in die Tiefe.
Mein Gefühl an einem Berglauf teilzunehmen ist verweht. Ich bin, wie alle anderen Läufer zum Hochgebirgswanderer geworden. Schnaufend und ächzend, kämpfen wir uns Meter für Meter auf staubig steinigem Boden nach oben.
Ein Berg der aus der Ferne betrachtet so schön und harmlos aussieht, lässt bei der Besteigung gegenteilige Gefühle aufkommen. Ich habe mich wahrscheinlich wie viele andere Teilnehmer getäuscht!

Die Temperatur hat rasch abgekühlt. Ich versuche in schnellem Tempo weiterzugehen. Bereits ist die 8. Station in Sicht, d.h. 19 km mit einer Höhendifferenz von 2360 Metern sind bald geschafft. Ich prüfe die Zeit und bemerke, dass mir gerade noch 75 Minuten bis zum Ziel bleiben.

Die 3000 Meter Grenze liegt bereits hinter mir und der Atem wird spürbar schwerer.
Läufer mit Wadenkrämpfen sind keine Seltenheit mehr.
Nun habe ich die 8. Station passiert, schaue auf die Uhr, trinke Wasser und gehe mit unentwegtem Schritt weiter. Ich verliere das Gleichgewicht und stürze beinahe, kann mich aber im letzten Moment noch an einer Eisenstange, die als Kletterhilfe angebracht ist festhalten. Dicht gedrängt auf dem schmalen Kletterpfad beginnt nun die Endphase, jeder Läufer versucht noch unter 4 Std. 30 min. das Ziel zu erreichen.
Eine nicht einzuschätzende Distanz trennt uns vom lang ersehnten Ziel, zwölf Minuten bleiben noch!
Ich denke an nichts und klettere konzentriert, Schritt für Schritt mit letzter Kraft auf den Gipfel zu.
Erschöpft und ausser Atem versuche ich auf den letzten 50 Metern nochmals die letzten Kräfte zu mobilisieren.

Jetzt, das Ziel!

Ein Blick auf die Uhr, 4 Std. 24 min., ich habe es geschafft und freue mich riesig!
Ich friere und ziehe meine mitgebrachten Regenkleider an, setze mich an den Bergrand und geniesse die Aussicht in die Tiefe von wo ich gekommen bin.
Eine unendliche Zufriedenheit erfüllt mich.

Weitere Angaben zum 58. Fuji Mountain Race

Start: Freitag, den 22. Juli 2005 um 07:30 Uhr von der Fujiyoshida City Hall

Teilnehmer Männer: 2330
Finisher Männer: 991 (entspricht 42.5%)

Teilnehmer Frauen: 137
Finisher Frauen: 37 (entspricht 27%)

Fotos zum Fuji Berglauf:
Bildgalerie Fuji Mountain Race

Informationen über den Fuji Berglauf 2011
Fuji Mountain Race – Offizielle Website

Nützlicher Link:
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