Einführung in das Thema Burakumin in Japan

Nach Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde vom 2.9.1945 und Anerkennung der Potsdamer Erklärung vom 26.Juli.1945 ging die Regierungsgewalt auf den Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte (SCAP – Supreme Command for the Allied Powers), General MacArthur über.

Die Besatzungsmächte sahen in der Ausarbeitung einer neuen Verfassung für das geschlagene Japan drei Hauptfunktionen: Die Verhinderung der Fähigkeit Japans, Kriege zu führen, die Wahrung der Kontinuität in Bezug auf den Kaiser, was zu einer Stabilisierung der japanischen Gesellschaft beitragen sollte und die Demokratisierung Japans. Am 6. März des Jahres 1946 wurde die so genannte „MacArthur-Verfassung“ durch das japanische Kabinett angenommen und trat offiziell ab 3. Mai 1947 in Kraft.

Im Rahmen der Demokratisierung der bis dato hierarchisch geprägten Gesellschaft Japans wurden die Grundrechte der japanischen Staatsbürger nach dem amerikanischen Prinzips des „pursuits of happiness“ in der Verfassung verankert, wodurch der Bevölkerung Japans die Grundrechte auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück zugesichert waren.
Wohl der wichtigste Abschnitt, der die Freiheit und Gleichheit des Individuums absichern soll ist der erste Absatz des Artikel 14 der japanischen Verfassung (日本国憲法nihon koku kenpō):

„Art. 14 (1) Alle Staatsbürger sind vor dem Gesetz gleich und es gibt keine Benachteiligung in politischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Hinsicht wegen Rasse, Glauben, Geschlecht, gesellschaftlicher Stellung oder familiärer Herkunft.“ (subete no kokumin, wa hō no shita ni byōdō de ate, jinshu, shinjō, seibetsu, shakaiteki mibun mata wa monchi ni yori, seijiteki, keizaiteki mata wa shakaiteki kankei ni oite, sabetsu sarenai.)

Insgesamt kann man den Charakter des Grundrechtskatalogs der japanischen Verfassung als programmatisch und damit nicht direkt als verbindlich charakterisieren, da keinerlei Ableitung eines Anspruchs auf Tätigwerden des Staates aus den Grundrechten hervorgeht.

So lautet z.B. Artikel 12: „Die durch diese Verfassung dem Volk gewährleisteten Freiheiten und Rechte sind durch unablässige Bemühungen des Volkes zu erhalten, das sich jedes Missbrauchs dieser Freiheiten und Rechte enthalten und immer verantwortlich dafür sein wird, sie zum öffentlichen Wohl zu nutzen“ (Jiyū ・ kenri no hoji sekinin to sono ranyō no kinshi – kono kenpō ga kokumin ni hoshō suru jiyū oyobi kenri wa, kokumin no fudan no doryoku ni yotte, kore o hoji shinakereba naranai. Mata, kokumin wa kore o ranyō shite wa naranai no de atte, tsune ni kōkyō no fukushi no tame ni kore o riyō suru sekinin o ofu. ),   was das Volk und somit die Bürger verpflichtet, aber keineswegs den Staat zum Handeln anhält.

Laut Artikel 25 muss der Staat lediglich „ein Mindestmaß an gesundem und kultiviertem Leben“ für den Staatsbürger garantieren: „Alle Bürger haben das Recht auf ein Mindestmass eines gesunden und kultivierten Lebens. In allen Lebensbereichen hat sich der Staat um die Förderung und Mehrung des sozialen Wohls, der sozialen Sicherheit und der öffentlichen Gesundheit zu bemühen.“ (Seizonken, kuni no shakaiteki shimei – (1) Subete no kokumin wa kenkō de bunkateki na saiteigendō no seikatsu o itonamu kenri o yū suru.)

Aus dieser Unverbindlichkeit der Verfassung hinsichtlich der Handlungsanforderung die dem Staat gesetzt wurden entsteht verständlicherweise eine deutliche Abschwächung des Artikel 14 und seiner Forderung nach sozialer Gleichberechtigung.
So ist also die Benachteiligung in politischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Hinsicht wegen Rasse, Glauben, Geschlecht, gesellschaftlicher Stellung oder familiärer Herkunft zwar formal verboten, aber in der Realität existieren in Japan weiterhin soziale Schichten, die in  nahezu sämtlichen Bereichen ihres Leben mit Diskriminierung zu kämpfen haben. Die wohl größte Minderheit, die im heutigen Japan Diskriminierung erfahren wird mit dem Begriff „Burakumin“ oder mittlerweile mit dem eher politisch korrekten Begriff „hisabetsu Burakumin“ umschrieben.

Im Folgenden soll eine bündige Schilderung der geschichtlichen Hintergründe der Entstehung dieser Minderheit, deren Befreiungsbewegungen sowie staatliche Lösungsansätze beschrieben und kritisch betrachtet werden.Zudem wird im zweiten Teil präziser auf die gegenwärtigen Lebensumstände der Burakumin eingegangen, d.h. wie die soziale Minderheit direkte Diskriminierung erleidet, inwieweit sie von indirekter Benachteiligung betroffen ist.

Historischer und sozialer Kontext

Geschichtlicher Hintergrund und Definition

Unglücklicherweise ist es mit großen Schwierigkeiten verbunden, eine eindeutige Definition der Burakumin zu geben, da der einzige Faktor, der allen Burakumin gemein ist, darin besteht, dass sie diskriminiert werden.

Diese Diskriminierung geht auf die feudalen Strukturen des Tokugawa-Shogunats des 17. Jahrhunderts zurück. Durch die „divide and rule“-Theorie sollten die Massen durch Aufspaltung unter Kontrolle gehalten werden und somit der Fortbestand der herrschenden Klasse und deren Versorgung gesichert werden. An der untersten Stelle der sozialen Struktur standen die so genannten eta (穢多, „viel Schmutz“) und hinin (非人, „Nicht-Menschen“). Deren Aufgaben bestanden hauptsächlich in Arbeiten wie der Entsorgung von Tierkadavern und deren Weiterverarbeitung zu Lederprodukten, in der Bambusverarbeitung und in Tätigkeiten wie Gefängniswärter oder Henker.

Es bestanden auch Bestimmungen, wo welche soziale Schicht zu wohnen hatte und welchen Beruf sie ausüben durfte, mitunter musste die unterste Schicht des Tokugawa-Systems sich sogar durch bestimmte Kleidung kenntlich machen.

Historisch gesehen sind Burakumin Nachkommen dieser untersten Kaste in der Tokugawa-Periode. Die heutige Bezeichung Burakumin geht auf die die japanischen Begriffe buraku (部落), was soviel wie Weiler oder Dorf bedeutet , und min(民) – Bürger – zurück. Die Ursprünge der Diskriminierung können als eine Kombination der folgenden drei Punkte gesehen werden:

  • der Nachfrage einer konstanten Versorgung mit speziellen Gütern, die die Burakumin herstellten
  • der buddhistisch-shintoistischen Vorstellung, dass das Töten von Tieren und der Umgang mit allen Formen von Blut eine Verunreinigung und somit eine Stigmatisierung der Person darstellte.
  • der „divide and rule“ Theorie des Tokugawa-Shogunats

Heutzutage ist die Definition der Burakumin um einiges schwieriger, da sie sich mittlerweile aus verschiedenen Schichten der Gesellschaft zusammensetzen. Zum einen werden Personen, deren Vorfahren zu der untersten Kaste im Tokugawa-Zeitalter gezählt haben, zu den Burakumin gerechnet. Zum anderen werden auch Individuen, die in irgendeiner Beziehung zu Burakumin stehen ebenfalls zu dieser Gruppe gezählt. Ausreichend hierfür sind Faktoren wie Bekanntschaften mit Burakumin, Wohnort oder Beruf. 1965 setzte sich die Regierung zum ersten Mal gründlicher mit der Thematik des „buraku-mondai“ auseinander und erarbeitete folgende Definition:

Das sogenannte dōwa mondai rührt daher, dass ein Teil der japanischen Gesellschaft aufgrund eines auf Diskriminierung beruhenden Ständesystems, welches sich im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung herausgebildet hat, wirtschaftlich, sozial und kulturell in benachteiligte Verhältnisse gedrängt wurde. Auch in der heutigen Gesellschaft noch werden ihre grundlegende Menschenrechte verletzt, insbesondere werden die im Prinzip der modernen Gesellschaft jedermann gewährten Bürgerrechte und Freiheiten nicht vollständig garantiert, was ein äußerst ernsthaftes gesellschaftliches Problem darstellt.

(Iwayuru dōwa mondai to wa, nihon shakai no rekishiteki hatten no katei ni oite keisei sareta mibun kaisō kōzō ni kizuku sabetsu ni yori, nihonkokumin no ichibu no shūdan ga keizaiteki ・shakaiteki・bunkateki ni tei no jōtai ni okare, gendaishakai ni oite mo, nao ichijirushiku kihonteki jinken o shingai sare, toku ni, kindaishakai no genri toshite nanbito ni mo hoshō sarete iru shiminteki kenri to jiyū o kanzen ni hoshō sarete inai to iu, motto mo shinkoku na shakaimondai de aru.)

Dem letzten Regierungsbericht von 1993 zufolge, der sich mit dem buraku-Problem auseinandersetzte, lebten 892.751 Burakumin in 4.442 offiziell anerkannten sogenannten dōwa-Distrikten.

Die buraku-Befreiungsliga geht jedoch von einer weit höheren Zahl aus. So existieren angeblich bis zu 3 Millionen Burakumin, die auf über 6000 buraku über das ganze Land verstreut sind, wobei sich die Hälfte dieser Distrikte auf die Gebiete Kinki und Chugoku im Westen Japans konzentriert.

Das Emanzipationsedikt der Meji Restauration

Im Zuge der Meiji Restauration erlangten die Burakumin am 28. August 1871 durch das Emanzipationsedikt der Meiji Regierung formal den Status von normalen Bürgern. Die Bezeichnungen eta und hinin wurden offiziell abgeschafft und somit auch die Existenz der niedrigsten Kaste. Jedoch bedeutete dieses Edikt nicht die langerwartete Befreiung der Burakumin, vielmehr verschlechterte es sogar deren Situation, da durch die formale Gleichstellung auch sämtliche Monopolrechte wie z.B. die auf Leder- und Bambusverarbeitung wegfielen. Als Ausgleich für die formale Gleichberechtigung mussten die Burakumin nun Steuern zahlen, Militärdienst leisten und waren der neuen, wettbewerbsorientierten Wirtschaft unterworfen.

Tatsächlich wurde ihre Situation noch verschlechtert, da die Meiji-Regierung nicht wirklich an einer sozialen Gleichstellung der Kaste interessiert war, sondern nur eine möglichst schnelle Umstrukturierung  des Feudalsystems auf ein international konkurrenzfähiges kapitalistisches System erreichen wollte. Die Burakumin erhielten keinerlei finanzielle Hilfe von staatlicher Seite, um sich auf die neue Situation einzustellen. Samurai hingegen, deren Status ebenfalls aberkannt wurde, bekamen von der Meiji-Regierung großzügige Kredite gestellt, um in anderen Bereichen, wie z.B. in der Landwirtschaft oder im Handel Fuß zu fassen.

Bild: Das Klassensystem der Meiji Restauration
Dass die Regierung keineswegs an der tatsächlichen Gleichstellung der Burakumin interessiert war und Ihr eigenes Edikt sogar in keinster Weise berücksichtigte, davon zeugt ein offizielles Dokument über japanische Gewohnheiten, das 1880 von der japanischen Regierung veröffentlicht wurde. Hierin werden die Burakumin als „[…] the lowliest of all people, almost resembling animals […]“beschrieben.

Zudem wurden neue Begriffe zur Bezeichnung der Burakumin geschaffen: Burakumin hießen künftig „shinheimin“ (新平民, „Neubürger“), ihre Wohnbezirke „tokushu buraku“ (特殊部落, „Sonderweiler“). Dass diese Begriffe in kürzester Zeit diskriminierenden Charakter erhielten muss wohl nicht näher erläutert werden. Ruyle beschreibt das Emanzipationsedikt der Meiji-Regierung nicht zu unrecht als „[…] a disaster in disguise for the outcastes.“

Im Rahmen der ökonomischen und sozialen Neustrukturierung Japans erfuhr ein Großteil der Bevölkerung einen sozialen Abstieg, wofür die Buraku verantwortlich gemacht wurden. Dies löste so genannte etagari (穢多狩り, „eta-Jagden“), oder Kampagnen aus, die darauf ausgelegt waren, die eta-Schicht auszulöschen (穢多征伐eta seibatsu). Zu den schlimmsten Ausschreitungen, an denen sich bis zu 26.000 Bauern  beteiligten, kam es in der Präfektur Okayama. Als die Unruhen zu Ende waren, hatten 18 Burakumin ihr Leben verloren und mehr als 300 ihrer Behausungen waren abgebrannt.

Entwicklung der buraku-Befreiungsbewegung

Die Dainippon douhou yuuwakai

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, nach Jahrzehnten der fortgesetzten Unterdrückung und Diskriminierung entstanden erste Vereinigungen und Zusammenschlüsse von Burakumin, die für die Gleichstellung innerhalb der Gesellschaft kämpften. Diese Gruppierungen waren jedoch oftmals militant und stellten meist lose und schlecht organisierte Verbände dar.

Der erste erwähnenswerte Zusammenschluss der diskriminierten Burakumin entstand 1903 und nannte sich Dainippon dōhō yūwakai (大日本同胞融和会). Diese Organisation basierte auf dem Gedanken, dass durch moralische und wirtschaftliche Angleichung der Burakumin an die Mehrheit der japanischen Gesellschaft der Diskriminierung ein Ende gesetzt werden könne. Getragen wurde sie hauptsächlich durch wohlhabende Landwirte und Händler aus der untersten Schicht, die durch Selbstverbesserung (改善kaizen) der Burakumin eine Annäherung an die Mehrheit der japanischen Bevölkerung erreichen wollten.

Diese Assimilisation sollte durch „[…] outcaste moral training, customs and manners, education, economic and sanitary conditions , frugality and saving, and leadership”ermöglicht werden.

Die Dainippon dōhō yūwakai  versuchte also, durch Mobilität der Gesellschaftsschichten der allgegenwärtigen Diskriminierung entgegenzutreten. Von staatlicher Seite aus wurde diese Bewegung in ihrem Vorhaben lediglich bestärkt, jedoch erfolgte keinerlei finanzielle Hilfe.

Im Jahre 1920 kam es schließlich zu einer ersten staatlich subventionierten Verbesserung der buraku-Ghettos. Jedoch basierte diese Förderung von 50.000 Yen vermutlich nur auf dem Gedanken, einer eventuellen Radikalisierung diverser buraku-Bewegungen vorzubeugen, was wie folgt auch Wagatsuma darlegt: „One of the implicit, if not explicit, purposes of these government-sponsored organizations was to

prevent Burakumin from becoming more susceptible to revolutionary ideas, which were at that time spreading throughout the working class.“

Diese Aktivitäten der Dainippon dōhō yūwakai  wurden von vielen Burakumin als „Assimilierungspolitk“ abgelehnt, da sie die Geldpolitik des Staates lediglich als besänftigende Maßnahme betrachteten. Nandini Mascarenhas beschreibt diese Situation wie folgt: „They Burakumin accused the „Assimilation Policy“ saying that they don´t want to have a rich eta, a scholar eta or a clean modern eta village and that what the government does is like to beat somebody to death then later sympathize him. Who want to lower his head to such a ruffian?”

Entwicklung der buraku-Befreiungsbewegung

Entstehung der Suiheisha

Im Hintergrund der Oktoberrevolution Russlands erreichte in den zwanziger Jahren revolutionäres marxistisches, antikapitalistisches Gedankengut Japans unterste Schichten. Im Zuge dessen veröffentlichte Sano Manabu, ein im russischen Exil lebender ehemaliger Lektor der Waseda-Universität, einen Artikel mit dem Titel „Über die Emanzipierung der tokushu-buraku“, (特殊部落開放論 tokushu buraku kaihōron).

Diesem Artikel lag zu Grunde, dass nur durch eine Vereinigung der Arbeiterschicht Japans und der Burakumin – die beide Opfer des kapitalistischen Systems darstellten – und eine anschließende sozialistische Revolution die Emanzipierung und Befreiung der untersten Schicht möglich sei.

Sanos Konzeption wurde von der intellektuellen Schicht der Burakumin schnell adaptiert und als Ergebnis gründete eine Gruppe junger Leute, die den Weg der Assimilation und das „self-improvement“-Programm der Regierung ablehnten, eine weitere Bewegung mit dem Namen Zenkoku Suiheisha (全国水平社), die das Recht auf eine menschenwürdige Existenz und die vollständige Abschaffung der Diskriminierung forderte.

Diese Organisation sollte zur größten und mächtigsten Interessenvertretung der Burakumin der Gegenwart werden.

阪本清一郎 (Sakamoto Seiichirō)

西光万吉 (Saikō Mankichi)

駒井喜作 (Komai Kisaku)

Die Bewegung wuchs rapide an, bis am 3. März 1922 die erste offizielle Sitzung stattfand, an der ca. 3000 Menschen teilnahmen und Zeuge wurden, als die wohl erste Menschenrechtserklärung Japans verkündet wurde:

„’Tokushu-Burakumin‘, die Ihr über das ganze Land verstreut seid, vereinigt Euch! Meine seit langem leidenden Brüder und Schwestern! All die Bewegungen des letzten halben Jahrhunderts, die von vielen Leuten auf verschiedene Arten unternommen wurden, haben keinerlei wünschenswerte Ergebnisse erzielt. Diese Tatsache sollte als Strafe dafür betrachtet werden, dass die Menschenwürde stets durch uns und andere entweiht wurde. Wenn man betrachtet, dass diese Bewegungen, die angeblich Menschen bestärkten, selbst viele unserer Brüder korrumpiert haben, ist es für uns

Menschenrechtserklärung der Suiheisha

unausweichlich, eine neue umfassende Bewegung , durch die wir uns selbst über die Anerkennung des menschlichen Wesens emanzipieren, zu gründen. Brüder und Schwestern, unsere Vorfahren waren Personen der Tat und Liebhaber der Freiheit und Gleichheit. Sie waren Opfer der verachtenswürdigen Politik der herrschenden Klasse und Märtyrer der Industrie. Als Belohnung für das Häuten der Tiere wurden sie der eigenen Haut beraubt; da sie die Herzen der wilde Tiere herausrissen, wurden ihre eigenen warmen Herzen herausgerissen; überdies wurden sie spöttisch bespuckt. Nichtsdestoweniger floss ihr menschliches Blut voller Stolz, trotz all jener verfluchten Nächte der Albträume, weiter. Ja, wir befinden uns in einer Zeit, in der Menschen, die dieses Blut erben gottähnlich werden. Der Zeitpunkt ist für die Opfer gekommen, Ihr Stigma zurückzuschleudern.Die Zeit ist gekommen, dass wir stolz darauf sein können, eta zu sein. Wir dürfen unsere Vorfahren niemals beschämen, oder das menschliche Wesen entweihen, sei es durch unterwürfige Worte, oder feiges Verhalten. Wir sind uns der Kaltherzigkeit dieser Welt und was es bedeutet, sich um Menschen zu kümmern, durchaus bewusst, und suchen aufrichtig das Warme und das Licht des menschlichen Lebens, das wir so lieben. Lasst Wärme im Leben des Menschen sein, für die Menschen herrsche Licht! (03.03.1922)

Das Symbol der Befreiungsbewegung
Das Symbol der Befreiungsbewegung

Basierend auf dieser Erklärung wurde im Rahmen der ersten Versammlung beschlossen, dass man resolute Maßnahmen gegen jegliche Form der Diskriminierung ergreifen werde. Zudem wurde beschlossen, einmal im Monat eine Zeitschrift zu veröffentlichen, die den Zusammenhalt der Bewegung und dir Koordination garantieren sollte.

Als offizielles Symbol der Bewegung wurde ein roter Dornenkranz ausersehen, um das Martyrium der Burakumin darzustellen. In der oberen Partie des Dornenkranzes ist ein Stern zu erkennen, der die Befreiung der Menschheit symbolisieren soll. „The flagpole is a bamboo spear, symbolizing the militance of traditional peasant ikki, a social phenomenon that is itself deeply identified with martyrdom and quasi-religious sacrifice.”Auf der nächsten Konferenz der Suiheisha wurden folgende Richtlinien festgelegt:

  • Keine weitere Diskriminierung in der Schule, der Armee oder der Marine
  • Durchführung von Aktionen, bis Gesetze gegen Diskriminierung verabschiedet werden
  • Veröffentlichung von mehreren Wochen- und Monatszeitungen um die eigene Sache zu propagieren
  • Organisation einer Bauernvereinigung
  • Ausbildung junger Leute „ …to become fighters for direct action…“

Auf der anderen Seite wurden viele Burakumin durch die Berichterstattung der Medien und die aggressive Vorgehensweise der Suiheisha in ihrer Sache bestärkt, was sich in einen regen Zulauf von Neumitgliedern der Organisation auswirkte.  So  wuchs sie innerhalb nur eines Jahres  auf  240 lokale Büros, die auf 23 Präfekturen verteilt waren, an. Die Suiheisha begann auch mit der Ausübung erster zielgerichteter Aktionen, wie z.B. Protestaufmärschen vor Kasernen, um gegen die dort herrschende Diskriminierung Stellung zu beziehen. Im Zuge dieser Proteste kam es zu vielen Verhaftungen von Burakumin und einmal sogar zur Inhaftierung und Verurteilung zehn ihrer führenden Mitglieder, denen illegaler Waffenbesitz und die Planung eines Bombenattentats auf eine Kaserne vorgeworfen wurde.

Unter den Verurteilten war auch der damalige Vorsitzende der Suiheisha, Matsumoto Jiichirō, der wohl die schillerndste Persönlichkeit der Bewegung darstellte und später ins japanische Parlament gewählt werden sollte.

Im Zuge der Depression der 30er Jahre stieg die Arbeitslosenzahl in Japan auf über drei Millionen Menschen an, was vor allem die buraku und die mit Ihnen verbundenen Industrien hart traf. So mussten die lederverarbeitenden Industrien in Kobe und Tokio ihre Produktion um 70% verringern. Diese Ereignisse führten zu einer weiteren Vergrößerung der Interessenvertretung und einer Solidarisierung der Suiheisha mit Arbeitervereinigungen.

Matsumoto Jiichirō
Matsumoto Jiichirō (1887-1967)

1933 wurde Matsumoto Jiichiro aus der Haft entlassen und engagierte sich sogleich erfolgreich in dem so genannten „takamatsu sabetsu jiken“(高松差別事件). In diesem Fall ging es um einen Mann, der seine Gattin vor der Eheschließung nicht informiert hatte, dass er Burakumin war. Als der Sachverhalt ans Licht geriet, meldete der Brautvater dies der Polizei und ein Gerichtsverfahren wurde angestrengt, in welchem der Beklagte und sein Bruder zu einem Jahr Arbeitslager verurteilt wurden, da sie ihre Herkunft verleugnet hatten. Die Suiheisha unter der Leitung Matsumotos veröffentlichte diesen Fall im ganzen Land und focht das Urteil wobei sie sich auf das Emanzipations-Edikt von 1871 berief. Die Einbindung der Massenmedien in diesem Fall erwies sich als erfolgreich und die zwei Männer kamen frei, was die Mehrheit der japanischen Bevölkerung begrüßte. Dies war die größte und wirkungsvollste Errungenschaft, die die Suiheisha seit ihrer Gründung erzielte und sie der breiten Öffentlichkeit auch zum ersten Mal in einem anderen Licht erschienen ließ.

Bestätigt wurde Matsumotos Popularität auch, als er 1936 als erster Angehöriger der Burakumin ins japanische Unterhaus gewählt wurde und dies im darauf folgenden Jahr wiederholen konnte. Matsumoto kooperierte politisch mit der sozialistischen Massenpartei, was ihn zu einem Mitglied der drittstärksten Fraktion im japanischen Parlament werden ließ.

Jedoch wurden die Erfolgserlebnisse der Suiheisha abrupt beendet, als Japan aus Folge der expansiven aggressiven Außenpolitik und nationalistischen Bewegungen 1942 ein Gesetz erließ, welches sämtlichen Bewegungen und Vereinigungen verbot, um eine nationale Einheit für den Krieg zu erreichen. Sämtliche Bemühungen waren von diesem Zeitpunkt an dem Ziel untergeordnet, den Sieg Japans zu verwirklichen. Selbst sämtliche bis dato verabschiedeten Maßnahmen zur Verbesserung der Lage der Burakumin wurden mit sofortiger Wirkung eingestellt.

Entwicklung der Buraku Befreiungsbewegung

Die Weiterentwicklung zur buraku-Befreiungsunion

Als Japan im August 1945 kapitulierte, ersetzte die neue Verfassung, die Nihon Koku Kenpō, die des Großjapanischen Kaiserreichs (大日本帝国憲法 Dainippon teikoku kenpō). Dieser neuen Verfassung, die vom Stab Mac Arthurs ausgearbeitet worden war, lagen die westlichen Werte von Freiheit, Gleichheit und Demokratie zu Grunde. Außerdem verbietet sie – wie schon erwähnt – Diskriminierung jeder Art. Bereits im Februar 1946 kam es zu einer Versammlung der Vorkriegs-Suiheisha, auf der die Gründung des nationalen Komitees für buraku-Befreiung (部落開放全国委員会 buraku kaihō zenkoku iinkai) beschlossen wurde. Matsumoto wurde wiedermals als Vorsitzender gewählt. Im Jahre 1947 kehrte er ins japanische Parlament, aber diesmal in das Oberhaus als stellvertretender Vorsitzender, zurück.

1955 benannte sich die buraku kaihō zenkoku iinkai in buraku kaihō dōmei (部落開放同盟) um, unter welcher Bezeichnung sie auch heute noch fungiert.

Entwicklung der buraku Befreiungsbewegung

Spaltung der buraku-Befreiungsunion

Die Suiheisha war seit ihrer Gründung stark vom kommunistischen Gedankentum beeinflusst und hatte daher eine traditionelle Verbundenheit zur Kommunistischen Partei Japans. In den Sechziger Jahren kam es jedoch zu einem ersten Bruch mit den Kommunisten, da auf der einen Seite mit dem Tod Matsumotos ein wichtiges Bindeglied zwischen den beiden Körperschaften wegfiel, und auf der anderen Seite die Diskussionen über die Ursachen der Diskriminierung in zwei verschiedene Richtungen gingen. Die Ultra-Linke der Suiheisha machte den Kapitalismus für die schlechten Lebensumstände der Burakumin verantwortlich und forderte, der marxistischen Lehre entsprechend, den Klassenkampf als Weg zum Ziel. Der gemäßigte Flügel der buraku Befreiungsunion arbeitete jedoch auf eine Einigung mit der Regierung Japans hin, welche damals von den Liberaldemokraten gestellt wurde. Als im Jahre 1965 ein erster Regierungsbericht sich mit der Lage der Burakumin eingehender beschäftigte, wies die KPJ die Ausführungen des Regierungsausschusses als „doku manjū“ (毒饅頭, „giftiger Kuchen“) zurück, da diese in ihren Augen lediglich eine Hinauszögerung der wahren Befreiung der unterdrückten Menschheit darstellte. Der gemäßigte Flügel der buraku-Befreiungsunion akzeptierte jedoch offiziell den Bericht und begrüßte die ersten finanziellen Fördermaßnahmen von staatlicher Seite aus als ersten Schritt zur auf dem Weg zur Befreiung der Burakumin. Als zwei Jahre nach Matsumotos Tod ein Sondergesetz der japanischen Regierung verabschiedet wurde, durch welches immense finanzielle Mittel zur Verbesserung der Situation der Burakumin bereitgestellt werden sollten, kam es zum endgültigen Bruch zwischen dem marxistisch ausgerichteten und dem gemäßigten Flügel der buraku-Befreiungsunion. Im Jahre 1976 trat auf Grund der unterschiedlichen Auffassungen hinsichtlich der Ursachen des Problems die „Zenkoku buraku kaihō undō rengōkai“ (全国部落解放運動連合会), kurz „Zenkairen“, aus der buraku-Befreiungsunion hervor.

Staatliche Integrationsmaßnahmen

Der Regierungsbericht von 1965

Im Jahre 1960 wurde ein Gesetz verabschiedet, das die Bildung eines Ausschusses beinhaltete, welcher sich mit der Assimilation der Burakumin befassen sollte. Ein Jahr später begann der Ausschuss an seinem Mandat zu arbeiten und veröffentlichte 1965 einen Bericht, in dem die Regierung zum ersten Mal zum buraku-Problem öffentlich Stellung bezog. Das Dossier umfasste grundlegende Maßnahmen zur Lösung sozialer und ökologischer Probleme in buraku. Es wird unter anderem zum ersten Mal festgestellt, dass Burakumin sich ethisch nicht von normalen Japanern unterscheiden, also es sich somit nicht, wie lange Zeit allgemein angenommen, um Nachfahren koreanischer Sklaven oder sogar um Nachfahren des Stammes Israel handelt. Außerdem wurde in der Darstellung des Ausschusses manifestiert, dass die gegenwärtige Situation der Burakumin in Beziehung zu ihrer Herkunft steht, aber nicht dadurch gerechtfertigt wird. Zudem kam man zu dem Ergebnis, dass Ignoranz des Problems nach dem oft praktizierten Motto, dass man ein schlafendes Kind nicht wecken solle, keine Lösung sei, da diese Form des Umgangs nur das Problem verlängere und aggraviere.

Zusätzlich identifizierte das Gutachten Diskriminierung in Bereichen der Erziehung, der Mobilität innerhalb der Gesellschaft, der Ehe und hinsichtlich sozialer Interaktionen. Der Ausschuss machte Diskriminierung für die schrecklichen Lebensverhältnisse der Burakumin verantwortlich und empfahl diverse Maßnahmen. Da bis zu diesem Zeitpunkt kein Gesetz existierte, das sich ausschließlich mit den problematischen Verhältnissen der Burakumin befasste, empfahl der Ausschuss eine Sondergesetzgebung, die sich den Angehörigen der untersten sozialen Schicht annehmen sollte.

Staatliche Integrationsmaßnahmen

Die staatliche Sondergesetzgebung

Hinsichtlich dieser Empfehlung wurde im Juli des Jahres 1969 ein Sondergesetz für die Angleichung der dōwa-Distrikte an den nationalen Standard (同和対策事業特別措置法dōwa taisaku jigyō tokubetsu sochi hō) verabschiedet. Durch diese Gesetzgebung sollten sowie lokale als auch nationale staatliche Körperschaften durch die

Durchsetzung der folgenden Punkte eine Anhebung der buraku-Ghettos an den nationalen Durchschnitt zu erreichen:

§         Verbesserung der Lebensbedingungen (生活環境の改善 seikatsu kankyō no kaizen)

§         Förderung der sozialen Wohlfahrt (社会副詞の増進 shakai fukushi no zōshin)

§         Förderung der Industrie (産業の振興 sangyō no shinkō)

§         Stabilisierung der Arbeitsplätze (職業の安定 shokugyō no antei)

§         Verbesserung der Erziehung (教育の充実 kyōiku no jūjitsu)

§         Aktivitäten zur Wahrung der Menschenrechte (人権擁護活動 jinken yōgo katsudō)

Diese Projekte sollten finanziell zu zwei Dritteln von staatlichen Institutionen und zu einem Drittel von lokalen Körperschaften getragen werden. Sollte es den lokalen Organen nicht möglich sein, genügend finanzielle Mittel aufzubringen, so waren sie berechtigt, hierfür Anleihen aufzunehmen. Praktisch gesagt bevollmächtigte dieses Gesetz die lokalen Körperschaften (welche meist lokale Zweige der buraku Befreiungsbewegung darstellten), Wohnsiedlungen, Schulen, Badehäuser und Krankenhäuser zu errichten, aber auch Förderprogramme für Schüler und Steuervergünstigungen oder Anleihen zu Niedrigzinsen für kleinere buraku-Geschäfte zu vergeben. Bis zum Zeitpunkt der Sondergesetzgebung im Jahre 1969 betrugen die finanziellen Fördermaßnahmen des japanischen Staates 17,8 Milliarden Yen. Im Rahmen des Sondergesetzes – das vorerst auf einen Zeitraum von 13 Jahren beschränkt war – wurden bis 1982 ungefähr 2 Billionen Yen für die Durchführung von Hilfsprojekten zur Verfügung gestellt. Nach Ablauf des Zeitraums der ersten Sondergesetzgebung verabschiedete das japanische Parlament am 16. Februar ein neues Sondergesetz, das „chiiki kaizen taisaku tokubetsu sochi hō“ (地域改善対策特別措置法), das sich mit der Verbesserung bestimmter Bezirke befasste. Dieses Gesetz war für eine kürzere Zeitspanne vorgesehen und sollte bis zum 31. März 1987, also für fünf Jahre, in Kraft sein. Es beschäftigte sich offiziell mit der Verbesserung von benachteiligten Gebieten im Allgemeinen, stellte also kein Sondergesetz zur

Verbesserung von buraku-Gebieten dar. Jedoch war keine einschneidende Veränderung bezüglich der Verteilung finanzieller Mittel zu merken. Das Problem, das sich allerdings stellte war, das mittels dieses Gesetzes nur noch bis dato bereits von der Regierung anerkannte dōwa-Distrikte befugt waren, Fördermittel zu erhalten, eine Anerkennung neuer, eventuell noch nicht festgestellter buraku-Distrikte, war von da an nicht mehr möglich.

Im Jahre 1987 wurde ein Gesetz verabschiedet, das weitere finanzielle Unterstützung für die Verbesserung von im nationalen Vergleich benachteiligten Regionen garantierte. Dieses Gesetz wurde anfangs für eine Periode von fünf Jahren festgelegt, wurde aber nach Ablauf dieser Zeitspanne mit leichten Abänderungen um weitere fünf Jahre, also bis 1997 und schließlich noch bis 2002, verlängert.

Laut Angaben von von Ogita Tetsuo[1] wurde zu Anfang dieses Jahres erneut ein Gesetz verabschiedet, welches sich mit der Problematik von unterprivilegierten Regionen Japans auseinandersetzt. Der entscheidende Unterschied zu den vorhergehenden Gesetzgebungen besteht darin, dass dieses Gesetz sich nicht ausschließlich mit buraku-Distrikten beschäftigt, sondern eine Verbesserung aller japanischen Distrikte, die nicht dem nationalen Standard entsprechen, anstrebt. Als Folge hieraus werden den lokalen Körperschaften der buraku–Befreiungsbewegung in Zukunft nur noch ein Bruchteil der bis dato bereitgestellten Mittel zur Verbesserung ihrer Situation zur Verfügung stehen, wodurch sich die Situation der benachteiligten Burakumin wiederum verschlechtern dürfte.

Instrumente der Diskriminierung gegen Burakumin

Familienregister

Am 22. Mai 1871 wurde im Rahmen der Meiji-Restauration die Anlegung von Familienregistern (戸籍 koseki) gesetzlich verankert, die in ähnlicher Form bereits im 7. Jahrhundert aus China übernommen und nach langer Unterbrechung in der Feudalzeit vom Tokugawa-Shogunat wieder aufgenommen wurden. Sie enthielten Angaben wie Wohnort, Familienmitglieder, Berufe, Eheschließungen, verwandtschaftliche Beziehungen, eventuelle Bestrafungen , Geburten oder Todesfälle. In den ersten koseki der Meiji-Zeit wurde darauf geachtet, dass der Paria weiterhin als solcher zu erkennen blieb, indem der Meldeschein dementsprechend gekennzeichnet wurde. Außerdem verzeichneten sie Angaben über den sozialen Status der Familie. Burakumin wurden als Bürger (平民 heimin) registriert, erhielten aber in einigen Familienregistern den Zusatz „Neubürger“ (新平民 shinheimin), „[…] ein Begriff, der recht bald ähnlich stigmatisierende Konnotationen annahm wie seine Vorgänger eta und hinin.“ Die Meiji-Restauration bewirkte im koseki Änderungen wie dass die Stammfamilie ohne Verweis zum weiteren Familienkreis oder zu Vorfahren registriert wurde. Da die Bevölkerungsstatistik als Gegenstand öffentlichen Interesses erachtet wurde, waren die Register frei zur Einsichtnahme.

Im Zuge der Demokratisierung Japans nach 1947 setzte die Alliierte Besatzungsmacht mit dem Personenstandsgesetz (戸籍法 kosekihō) eine Änderung des Familienregistersystems durch mit dem Ziel, alle patriarchalischen Elemente aus der Verfassung zu verbannen. Es wurde festgelegt, dass mit jeder Heirat separat ein neues Hausregister einzurichten sei, um eine Abhängigkeit zur Stammfamilie zu unterbinden. Desweiteren erhielt jedes Individuum das Recht, sich seinen Ehepartner frei aussuchen

zu dürfen. Da das alte koseki nicht vernichtet wurde, war es aber für Berufsgruppen wie Anwälte oder Forscher weiterhin zugänglich.

Nachdem die BLL 1968 gegen diese Tatsache eine Kampagne gegen das Justizministerium geführt hatte erreichte sie, dass künftig das Einverständnis der betroffenen Familie zur Einsichtnahme vonnöten war, in seltenen Fällen reichte auch die Genehmigung des Justizministers. Wer allerdings seine Zustimmung auf einen Zugriff verweigerte machte sich automatisch verdächtig, da in solchen Fällen schnell vermutet wurde, man habe etwas zu verbergen. Für private Detekteien ist es dann in der Regel kein Problem, weitere Ermittlungen anzustellen und Informationen zum familiären Hintergrund aus anderen Quellen zu erhalten.

Durch weiteren Druck seitens der BLL wurde im Juni 1976 das Gesetz dahingehend geändert, dass jeder, der Zugriff auf das Familienregister verlangt, zuerst seine Gründe für die Nutzung darlegen muss. Die Änderung des Artikels 10 des Personenstandsgesetzes trat schließlich im Dezember 1976 in Kraft.

Trotz dieser Modifikation des Zugriffrechts gibt es immer noch genügend Fälle, in denen sich Diskriminierung auf die missbräuchliche Nutzung des koseki zurückführen lässt. Von Kritikern wird immer wieder bemängelt, dass detaillierte Angaben zu Geburtsort und Wohnsitz im Familienregister verlangt werden. Die bloße Nennung der Geburtsstadt ohne den Bezirk würde beispielsweise ebenso seinen Zweck erfüllen.

1985 verhängte die Bezirksverwaltung in Ōsaka eine Sperre gegen alle Privatdetekteien und kōshinjo (興信所), die mit dem Missbrauch von Familienregistern in Verbindung gebracht werden konnten und schloss deren Büros. Während hier ein Schritt in die richtige Richtung unternommen wurde, wirbt dieser Berufszweig in anderen Teilen Japans weiterhin offen für seine Leistungen. Daher muss das Personenstandsgesetz weiter verschärft werden und den Missbrauch von koseki unter Strafe stellen, um so weiterer Diskriminierung entgegenzuwirken.

Instrumente der Diskriminierung gegen Burakumin

Tempelregister

In der Vergangenheit wurden Tempelregister (過去帳kakochō) ebenfalls dazu benutzt, den sozialen Status eines Individuums zu bestimmen. Als die ersten modernen Volkszählungen in Japan im ausgehenden 19. Jahrhundert erhoben wurden, wurde auch der Name des buddhistischen Tempels verzeichnet, dem die Familie angehörte. Burakumin waren gezwungen, zu bestimmten Tempeln zu gehen, weshalb die Tempelzugehörigkeit einer Familie Rückschlüsse auf die Klassenzugehörigkeit zulässt. Ungefähr 90% der Burakumin sind der Sekte Jōdo-Shin-shū zugehörig. Diese hatte in ihren Anfängen das Bestreben, so viele Mitglieder wie möglich zu werben, selbst wenn diese aus niedrigen sozialen Klassen stammten.

Tempelregister stellen wertvolle historische Aufzeichnungen dar, die persönliche Informationen wie das Todesdatum enthalten, mit denen die Termine für Gedenkfeiern für den Toten bestimmt werden. Außerdem können sie zu demographischen Untersuchungen wie beispielsweise über die Sterblichkeitsentwicklung in Japan herangezogen werden. Allerdings weisen sie durchaus Potential auf, um diskriminierenden Zwecken zu dienen. Der buddhistische Brauch, Toten einen posthumen Namen (戒名kaimyō) zu verleihen, kann in einigen Fällen dazu herangezogen werden, über diesen, auch auf dem Grabstein vermerkten Namen Aufschluss über den Status des Toten und damit indirekt auch über den seiner Angehörigen zu geben. Oft waren in diesen Namen abwertende Schriftzeichen wie zum Beispiel „Vieh“, „erniedrigen“, „unwürdig“ oder „Diener“ enthalten.

Religious organizations are not necessarily immune to Buraku discrimination. A large number of discriminatory posthumous (after-death) names were given to Buraku people following the direction described in guidelines prepared by several religious sects of Buddhism. These practices clearly contradict the teachings of these sects.

Am 27. September 1997 wurde in der Präfektur Fukui eine Zeremonie der Sōtō-Sekte abgehalten, an der 250 Priester und 25 BLL-Offizielle teilnahmen. Die Sekte hatte bei

Untersuchungen festgestellt, dass in 229 ihrer Tempel diese diskriminierende Praxis der Namensgebung Anwendung fand.

Viele Tempel haben sich auf Basis einer freiwilligen Selbstverpflichtung gegenüber der BLL verpflichtet, die Register, die früher auf Anfrage herausgegeben wurden, nicht einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um so potentieller Diskriminierung entgegenzuwirken.

Instrumente der Diskrimierung gegen Burakumin

buraku-Listen

Buraku Liste
Kopien im August 1984 entdeckter buraku-Listen

Im November 1975 wurde durch einen anonymen Brief an die BLL die Existenz von buraku-Listen, sogenannten buraku chimei sōkan  (部落地名総鑑), die auf knapp 200 Seiten detaillierte Angaben zu Namen, Ort, Anzahl der Haushalte und hauptsächlich ausgeübte Berufe der Bewohner der 3.972 (1971) japanischen buraku enthalten, aufgedeckt. Diese auf dem Schwarzmarkt kursierenden Übersichten entstanden hauptsächlich im Zeitraum zwischen 1970 und 1975, nachdem die Sondergesetze verabschiedet worden waren und außerdem weitere Restriktionen im Zugriffsrecht auf das Familienregister bevorstanden. Erstellt wurde die erste Liste von einem Mann, der in einem kōshinjo beschäftigt war und aufgrund der vielen Nachforschungsaufträge über eine eventuelle buraka-Abstammung erkannte, dass sich durch den Verkauf solcher Listen ein hoher Profit erzielen lassen würde.

Abnehmer dieser Nachschlagewerke waren vor allem Großunternehmen, die sie bei der Rekrutierung ihres Personals einsetzten, Privatpersonen, denen die Listen bei der Wahl eines Ehepartners behilflich sein sollten sowie Universitäten, die zu diesem Zeitpunkt gezwungen waren, Fragen nach Finanzverhältnissen, Berufen der Eltern und Religionszugehörigkeit aus ihren Aufnahmeformularen zu streichen. Der einzige Zweck, den die buraku-Listen erfüllten war der, dass man daraus ermitteln konnte, ob der Wohnort eines Kandidaten sich in einem buraku befand und man dadurch Rückschlüsse auf einen eventuellen buraku-Hintergrund der betroffenen Person ziehen konnte. Burakuminverbände sowie Regierungsstellen protestierten aufs heftigste gegen solche Listen, was jedoch nicht verhinderte, dass immer wieder neue entdeckt wurden. Insgesamt wurden bis 1991 neun solcher Aufstellungen aufgespürt, von denen rund 220 Kopien von Unternehmen mit so prominenten Namen wie Toyota, Kirin Beer, Nissan, Daihatsu, Kubota oder Suntory erworben wurden. In bestimmten Präfekturen hatte dies aufgrund der eindeutig diskriminierenden Intention den Entzug von öffentlichen Aufträgen zur Folge. Vom November 1995 datiert ein Fall, in dem ein Mann aus Nanao in der Präfektur Ishikawa versuchte, Erkundigungen über die topographische Lage von buraku-Disktrikten im Internet anzustellen. Seitdem hat die Verbreitung derartiger Verzeichnisse beispielsweise per E-Mail rapide zugenommen, was aber in den meisten Fällen unentdeckt bleibt. Das große Potential des Worldwide Web wird in dieser Form der Verbreitung in Zukunft mit Sicherheit noch eine große Rolle spielen.Die BLL verlangt deshalb vom Post- und Telekommunikationsministerium, Maßnahmen zu finden, die diese Form von Diskriminierung unterbinden könnten.

Der Grund für den Erwerb der Listen liegt vor allem darin, dass man Burakumin als schädlich für das Firmenimage ansieht. Besonders alteingesessene Firmen besitzen ein hohes Status- und Traditionsbewusstsein und wollen dieses auch aufrechterhalten. Von den Firmenleitungen wird befürchtet, dass Konflikte zwischen Burakumin und Nicht-Burakumin augrund der unterschiedlichen sozialen Herkunft entstehen könnten.

Auch konnten die Listen beim durch die damalige Rezession bedingten Arbeitskräfteabbau herangezogen werden, um bereits beschäftigte Burakumin von ihren Arbeitsplätzen zu verdrängen. Außerdem ging man durch Nichteinstellung eines Burakumin-Bewerbers schon im Vorfeld möglichen Konflikten mit der BLL lieber aus dem Weg, da diese bekannt dafür ist, oft sehr vorschnell an Diskriminierung zu glauben, wenn beispielsweise einem Mitarbeiter eine zustehende Beförderung verwehrt bleibt oder Kündigungen ausgesprochen werden.

Indirekt trägt die BLL allerdings selbst dazu bei, dass buraku-Distrikte topographisch auch als solche zu erkennen sind, da sie in nahezu jedem Distrikt spezielle Zentren wie z.B. Gemeinde- oder Jugendzentren unterhält. Über das Aufspüren der Lage dieser Zentren kann man auch relativ gut bestimmen, wo die buraku-Bezirke lokalisiert sind, ohne im Besitz des illegalen Handbuchs zu sein.

Maßnahmen der Buraku gegen Diskriminierung

Die kyuudan-Konfrontation

Seit Gründung der Suiheisha im Jahr 1922 ist kyūdan tōsō (糾弾闘争) ein wichtiger Bestandteil der buraku-Befreiungsbewegung im Kampf gegen Diskriminierung. Dessen Anwendung wurde auf ihrer Gründungsversammlung beschlossen: „Wenn sich jemand uns gegenüber durch Taten und Worte wie eta oder tokushū-Burakumin in beleidigender Absicht äußert, so werden wir denjenigen vollständig zur Verantwortung ziehen.“ (Wareware ni taishi eta oyobi tokushū Burakumin tō no genkō ni yotte bujoku no ishi o hyōji shitaru toki wa tettei kyūdan o nasu.)

Unter kyūdan kann ein direkte, mehr oder weniger mit Zwangs- oder in Einzelfällen auch Nötigungs- und Gewaltmaßnahmen verbundene Konfrontation mit einer Person oder Repräsentant(innen) von Organisationen verstanden werden, die von den Burakumin im Rahmen einer öffentlichen Anprangerung der Diskriminierung bezichtigt und denunziert werden. Kyūdan wird daher häufig auch mit ‚Denunziation‘ übersetzt.

Es wird als probates Mittel angesehen, solche Fälle publik zu machen und die Diskriminierenden öffentlich bloßzustellen, häufig mit verheerenden Konsequenzen für die Opfer, indem deren Reputation oder Karriere zerstört wird. „Kyūdan entspricht als taktisches Mittel nach Auskunft der buraku-Befreiungsbewegung der Bedeutung des Streiks für die Gewerkschaften und wird als ‚Selbstverteidigungs-‚ oder ‚Widerstandsrecht‘ bezeichnet, ja gelegentlich heißt es sogar, kyūdan sei die ‚Lebensader‘ des Befreiungskampfes.“ Der Denunziationskampf ist die Waffe der Burakumin im Klassenkampf, um sich selbst zu ermutigen, sich gegen erfahrene Diskriminierung zur Wehr zu setzen, anstatt diese stillschweigend als unvermeidbaren Bestandteil ihres Lebens zu betrachten und zu erdulden. Die BLL versteht kyūdan als ihren letzten Ausweg, gegen Akte von Diskriminierung vorzugehen und macht geltend, dass sich diese Art von sich zur Wehr setzen innerhalb der Grenzen der japanischen Verfassung bewege und auch nicht gegen geltende Konventionen verstoße. Da nach Meinung der BLL das Rechtssystem nicht in der Lage ist, Diskriminierung zu unterbinden, sieht sie eine kyūdan-Konfrontation als legales Mittel an. Obwohl in der Verfassung Menschenrechte garantiert werden, gibt es keine Gesetzgebung oder Wiedergutmachungssysteme, die Burakumin in Anspruch nehmen könnten, wenn sie ihre Gleichheitsrechte verletzt sehen:

The denunciation tactic was justified by post-war activists on the ground that, although human rights were guaranteed by the post-war constitution, there was no legislation or system of redress that could be used by Burakumin when they found their rights to equality of opportunity in marriage, education or employment infringed. Denunciation, they argue, is a way in which Burakumin can assert their rights and is founded on constitutional provisions.

In der Anfangszeit des kyūdan tōsō wurde auf diesen wenig Vorbereitung aufgewendet und führte so oftmals zu gewaltsamen Konflikten zwischen Burakumin und der Mehrheitsgesellschaft.

Anzahl der kyudan-Fälle vor dem Zweiten Weltkrieg
Anzahl der kyudan-Fälle vor dem Zweiten Weltkrieg

drei Monate nach dem Beschluss der Suiheisha, sich mit

kyūdan zur Wehr zu setzen, folgte im Mai 1922 die erste Denunziationskampagne.Insgesamt wurde in ihrem Gründungsjahr in 69 Fällen von Diskriminierung mit der Anwendung von kyūdan reagiert, im darauf folgenden Jahr geschah dies schon in 854 Fällen und 1924 waren sogar 1052 Denunziationskampagnen zu verzeichnen.Die ersten Denunziationen hatten oft zur Folge, dass die beteiligten Mitglieder der Suiheisha festgenommen und angeklagt wurden. Mit zunehmender Entwicklung und Organisation der Befreiungsbewegung ging man bei der Auswahl der relevanten Fälle selektiver vor und verbuchte durch diese Verfeinerung des Rasters durchaus respektable Ergebnisse.

Viele Kampagnen waren bemerkenswert erfolgreich, was zu einem Umdenken in der institutionellen Politik führte und kyūdan als effektives Mittel für Reformen von diskriminierenden Praktiken und deren Unterstützung durch Institutionen empfahl. Beispielsweise wurde durch eine Kampagne der Suiheisha erreicht, dass der Vorsitzende Richter eines Prozesses gegen zwei Burakumin-Brüder von seinem Amt entbunden (vgl. S. 17), oder dass die Trennung von Burakumin und Nicht-Burakumin in den Klassenräumen aufgehoben wurde. Denunziation wurde zur Waffe der Unterdrückten, zum einen im Kampf um die Wiederherstellung ihrer Menschenwürde und –rechte, zum anderen, um generell einen gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen.

Die Ziele, die von der BLL durch die Anwendung von kyūdan verfolgt werden, sind zum einen ein meist schriftlicher Widerruf durch die Person, die die diskriminierenden Handlungen oder Äußerungen getätigt hat. Der nächste Schritt sieht als eine Art erzieherische Maßnahme vor, dass sich diese Person der Ungerechtfertigkeit ihrer Diskriminierung bewusst wird, indem sie beispielsweise die aktuelle Situation der Burakumin vor Augen geführt bekommt. Außerdem soll sie Einblick in die Struktur der Diskriminierung und deren substantielle Bedeutung erhalten, indem sie sozusagen am eigenen Leibe Diskriminierung erfährt. Im Idealfall erklärt sich die geläuterte Person danach bereit, aktiv in der BLL mitzuwirken und sie bei Aufklärungsaktionen zu unterstützen.

Vor der Anwendung von kyūdan wird von der BLL eine Versammlung einberufen, auf der der mutmaßliche Fall von Diskriminierung noch einmal beleuchtet und analysiert wird und dessen Fakten und Umstände erläutert werden. Bescheidet die Versammlung, dass diskriminierende Handlungen oder Äußerungen gegenüber Burakumin vollzogen wurden und ist von der der Diskriminierung bezichtigten Person auch trotz Aufforderung keine Entschuldigung abgegeben worden, so entscheidet die Versammlung, in welcher Art und Weise die Denunziation erfolgen soll und die kyūdan-Versammlung per se erfolgt. Die Bandbreite der von der Versammlung als diskriminierend betrachteten Fälle reicht von indirekten abfälligen Äußerungen über Burakumin bis hin zu Fällen, wo Burakumin kontinuierlich obstinat diskriminiert werden. Nach Auskunft der BLL liegt der Grund einer kyūdan-Veranstaltung nicht darin, den Delinquenten einzuschüchtern oder zu nötigen, sondern darin, den Zorn aller Burakumin zum Ausdruck zu bringen.

Kyudan Veranstaltung
Kyudan Veranstaltung

Dennoch: „Das Hauptziel der kyūdan-Aktion ist eben nicht die „faire“ Diskussion gleichberechtigter Partner, sondern die dramatische Realisierung einer Situation, die, affektiv bis zum äußersten aufgeladen, dem vielfach „ahnungslosen“ Mitglied der Mehrheitsgesellschaft selbst einen Zugang zur Diskriminierungserfahrung ermöglichen soll.“ Jede kyūdan-Konfrontation beinhaltet in der Regel ständig gleichbleibende Elemente. So findet eine derartige Versammlung in einem Versammlungs- oder Konferenzraum statt, wo sich Mitglieder der BLL und der Mehrheitsbevölkerung gegenüber sitzen, üblicherweise Angehörige und Repräsentanten z.B. der gleichen Firma oder Institution wie der Angeklagte. Dieser wird von der BLL verhört, seine Erklärungsversuche werden häufig durch zum Teil beleidigende Zwischenrufe unterbrochen.

Zum Repertoire der Konfrontation gehören auch das Aufstampfen mit dem Fuß, um dem Diskriminierenden Angst einzuflößen, sowie wildes Gestikulieren vor diesem. Der dadurch eingeschüchterte Angeklagte wird in solch einer meist chaotischen Versammlung in den seltensten Fällen weiter versuchen, sich zu verteidigen, sondern er wird sein tiefes Bedauern ob seiner Tat zum Ausdruck bringen und den Forderungen der BLL generell nachkommen, um die Konfrontation nicht noch weiter eskalieren zu lassen.

Kyūdan ist oftmals mit Gewalt und Zwang verbunden, und nicht jeder Delinquent erklärt sich freiwillig dazu bereit, vor der Versammlung zu erscheinen. In solchen Fällen wurden die „Opfer“ von der BLL schon desöfteren gegen ihren Willen festgehalten und zur kyūdan-Veranstaltung gebracht, was im Kern den juristischen Tatbestand der Freiheitsberaubung erfüllt. In einem konkreten Fall wurde aber vor Gericht die Klage von drei Lehrern einer Oberschule in Yata in der Provinz Ōsaka abgewiesen, die gegen die BLL wegen eines Vorfalls vom April 1969 geklagt hatten, bei dem sie, um zu Selbstkritik gezwungen zu werden, von der BLL gefangengehalten und geschlagen wurden. Das Bezirksgericht Ōsaka begründete seine im Juni 1975 getroffene Entscheidung damit, dass kyūdan  ein legales Mittel sei, um sich gegen Diskriminierung zur Wehr zu setzen und dass die von der BLL angewandten Mittel sich durchaus im Rahmen der Verhältnismäßigkeit bewegt hätten. 1981 wurde dieses Urteil zwar vom Obersten Gerichtshof teilweise revidiert, allerdings gab es nur eine äußerst milde Strafe für den mittlerweile einzig noch lebenden der beiden Angeklagten, der damals an diesem Vorfall beteiligt war.

Auch im berüchtigten Denunziations-Fall an der Yōka-Oberschule in der Provinz Hyōgo stellte sich das Gericht auf die Seite der BLL. Rund 200 Aktivisten der Nantan Jugend-Aktionsgruppe des präfekturalen Komitees hielten 52 Lehrer der Schule 13 Stunden lang auf dem Schulgelände fest, um sie zu künftiger Kooperation und Selbstkritik zu zwingen. Für 29 der Lehrer endete diese Aktion damit, dass sie sich aufgrund der erfahrenen psychischen und physischen Gewalt mit teilweise ernsthaften Verletzungen für längere Zeit in ärztliche Behandlung begeben mussten.  Trotzdem entschied der Oberste Gerichtshof in Ōsaka im März 1988, dass es sich bei kyūdan  zwar um kein Recht handelt, das in bestehenden Gesetzen verankert und anerkannt ist, es aber als Selbsthilfe akzeptiert werden kann, wenn man die Prinzipien in Artikel 14 der Japanischen Verfassung geltend macht.

Einen anderen Weg schlägt hingegen die Menschenrechtsbehörde des Justizministeriums ein, die seit 1986 Denunziationsaktionen öffentlich kritisiert. Da es sich bei kyūdan um Selbsthilfe und ein Privatverfahren ohne Beteiligung der Justiz handelt, können nach Meinung dieser Behörde die „Opfer“ ihre Teilnahme daran auch verweigern. Da durch kyūdan Verpflichtungen von anderen abverlangt werden, müsste dies als rechtliche Maßnahme begründet sein, die aber im Gesetz nicht existiert. Somit sind Personen, die mutmaßlich diskriminierende Handlungen oder Äußerungen getätigt haben, nicht dazu verpflichtet, sich der Denunziation zu stellen.

Die BLL betrachtet die Einmischung der Menschenrechtsbehörde als einen klaren Missbrauch von staatlicher Gewalt und fordert dessen unverzügliche Unterlassung. Statt kyūdan  zu kritisieren und zu behindern, sollten lieber Gesetze erlassen werden, die die Entstehung von Diskriminierung überhaupt verhindern. Sie geht sogar soweit und bezichtigt den Staat und dessen Rechtsapparat, selbst Vorurteile gegenüber Burakumin zu haben, wobei als Vorurteil durchaus schon gelten kann, wenn beispielsweise Richter nicht komplett mit der Interpretation der BLL in Punkto Notwendigkeit und Natur der Denunziation übereinstimmen.

Paradox erscheint auch die Tatsache, dass die BLL beispielsweise in Bezug auf den sogenannten Sayama-Prozess auf einen fairen Prozess pocht, dem Angeklagten bei einer kyūdan-Versammlung aber selbst dieses Recht nicht gewährt. Demokratische Spielregeln für eine derartige Aktion werden von ihr abgelehnt, weil dadurch das Grundproblem der Diskriminierung und die Ziele des kyūdan verkannt werden.

Artikel 37 der Japanischen Verfassung garantiert dem Angeklagten einen Anspruch auf ein Verfahren vor einem unparteiischen Gericht sowie einen befähigten Verteidiger zu seiner Unterstützung. Bei kyūdan wird ihm dieses Grundrecht jedoch nicht zugestanden. Stattdessen findet sich der Delinquent in einer ihm nicht vertrauten, von Burakumin dominierten parteiischen Umgebung wieder, in der er oft auch auf Unterstützung von außen verzichten muss. Im Gegensatz zu einem ordentlichen Prozess steht ihm kein Anwalt zur Seite, der ihn beraten und verteidigen könnte, sondern er ist dem Zorn der Versammlung, die zahlenmäßig den Angehörigen des mutmaßlich Diskriminierenden meist überlegen ist, ausgeliefert.

Weiter in Artikel 38 heißt es, dass niemand dazu gezwungen werden darf, zu seinen eigenen Ungunsten auszusagen. Wird das Geständnis unter Zwang, Folter oder Drohung oder nach langer Haft oder Festhaltung abgelegt, so darf es nicht als Beweismittel anerkannt werden. Durch die Angst, die der Angeklagte bei der kyūdan-Konfrontation hat, wird er aber in aller Regel den Forderungen der BLL nachkommen und kaum versuchen, sich zu erklären oder zu rechtfertigen. Auf diese Weise kann aber kein Dialog zwischen den Parteien zustande kommen, sondern eine immer nur sehr einseitig verlaufende Kommunikation, und das, obwohl doch eigentlich „die Minderheit auf diese Weise eine Kommunikation mit der Mehrheitsgesellschaft erzwingt, die diese ihr ansonsten durch Ignoranz und Ausgrenzung verwehrt.“

Man kann von einem kontraproduktiven Ansatz der BLL sprechen, wenn Diskriminierung nicht mehr stattfindet nur aufgrund der Tatsache, dass die Mehrheitsbevölkerung über das buraku-Problem bescheid weiß, sondern aus Angst vor Denunziation. Als Ergebnis findet sich in der Allgemeinheit zwar eine Unterdrückung von offener Diskriminierung, was sich insbesondere im geringeren Gebrauch von abwertender Sprache widerspiegelt, gleichzeitig findet aber eine Verschiebung hin zu unterschwelliger Diskriminierung mit wachsender Feindseligkeit gegenüber Burakumin statt.

Dadurch, dass die BLL die gesamte Rhetorik des buraku mondai kontrolliert und definiert, ist selbst das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung stark beschnitten, da ansonsten mit Konsequenzen seitens ihrer Aktivisten zu rechnen ist. Sie legt Diskriminierung sehr weitgefächert aus, stempelt Leute oft vorschnell als diskriminierend ab und lässt wenig Raum für Diskussionen. Durch ihre Neigung, sich allzu gerne selbst als Opfer wahrzunehmen, wird eine Diskussion zum Thema buraku mondai nahezu tabuisiert, was jedoch dem Ziel des Verständnisses darüber wohl eher abträglich ist. Selbst Wissenschaftler, Medien und Journalisten sind sogar mit belegbaren Äußerungen über Burakumin eher vorsichtig, aus Angst, dadurch Opfer von kyūdan  zu werden. Auf diese Weise kontrolliert die BLL in dieser Angelenheit durchaus auch die japanische Presselandschaft, da möglicherweise diskriminierende Beiträge in den Medien lieber unveröffentlicht bleiben, als dass man Gefahr läuft, die BLL zu verärgern. Dadurch bleibt oft auch die Berichterstattung auf der Strecke und der Bevölkerung werden wichtige Informationen vorenthalten, wie dies beispielsweise im Sommer 1996 der Fall war. Bei einer Epidemie, verursacht durch das Kolibakterium O-157, durch die nahezu 10.000 Erkrankungen und elf Todesfälle zu verzeichnen waren, konzentrierte man sich bei der Suche nach der Quelle des Erregers fast ausschließlich  auf einen Produzenten von Salatsprossen, anstatt die sehr viel wahrscheinlichere Variante, nämlich Rinder- und Schweinefleisch, näher in Augenschein zu nehmen. In Amerika hatte eine 1982 durch verdorbenes Rindfleisch hervorgerufene Erkrankungswelle bereits zur Identifizierung des Darmbakteriums Escherichia coli 0157:H7 geführt, was den  japanischen Gesundheitsbehörden vermutlich hinreichend bekannt war. Dennoch sagte Ministerpräsident Hashimoto damals, „[v]ordringliches Ziel sei es, den unbekannten Hort des Koli-Bakteriums aufzuspüren und seinen Weg durch die Nahrungsmittelkette zu verfolgen.“ Der Grund für die Verschleierung, die man gut und gern mit „Das Schweigen der Rinder“ untertiteln könnte, war wohl der, dass die von Burakumin dominierte japanische Fleischindustrie über eine starke Lobby verfügt, die sich schützend vor sie stellte. Somit betrieben die Medien in diesem Fall eine Art von Selbstzensur und berichteten, zum Teil aus Angst vor Denunziationsvorwürfen, nur sehr verhalten oder taten die Ursache gar als „unbekannt“ ab.

Indirekte Diskriminierung durch sozioökonomische Verhältnisse

Wohnverhältnisse und Gesundheit

Art. 25 Alle Bürger haben das Recht auf ein Mindestmass eines gesunden und kultivierten Lebens. In allen Lebensbereichen hat sich der Staat um die Förderung und Mehrung des sozialen Wohls, der sozialen Sicherheit und der öffentlichen Gesundheit zu bemühen.

Vor der Umsetzung des Sondergesetzes für Integrationsmaßnahmen aus dem Jahre 1969 herrschten in den buraku-Distrikten oft Ghetto-ähnliche Zustände. Wohnen in mehr als beengten Verhältnissen, eine ungenügend ausgebaute Kanalisation, ungeteerte Straßen und kaum fließendes Wasser waren bis dato durchaus üblich. Durch die Maßnahmen  hat sich der Lebensstandard in diesen Gebieten wesentlich verbessert. Eine Ausnahme bilden hier allerdings diejenigen buraku-Distrikte, die noch nicht als dōwa-Gebiete anerkannt wurden.

Viele Japaner betrachten die staatlichen Leistungen in diesen Gebieten mit Neid und halten deren Bewohner als ungerechterweise bevorzugt behandelt. Allerdings überschreiten die Gebäude und Einrichtungen, die zu Anfang der Maßnahmen gebaut wurden, mittlerweile die Grenze von 30 Jahren und sind daher schnellstens renovierungsbedürftig. Auch aufgrund der zunehmenden Baufälligkeit dieser Bauten erhöht sich die Tendenz besonders von jungen Burakumin, die Distrikte zu verlassen und sich in Nicht-buraku-Gebieten anzusiedeln. Gleichzeitig steigt der Zuzug von finanziell nicht so gut gestellten Nicht-Burakumin – also vor allem jungen und älteren Menschen – in die buraku-Wohnviertel, da aufgrund der zum Teil immensen staatlichen Subventionen die dortigen Mieten relativ niedrig gehalten werden können. 1993 waren im landesweiten Durchschnitt nur noch 41,4% der buraku-Bewohner auch wirklich Burakumin. „[D]ie früher durchaus geläufige und zutreffende Vorstellung eines homogenen ‚Ghettos‘ scheint also – zumindest regional – nicht mehr gerechtfertigt.“

Während in Japan praktisch jeder krankenversichert ist, ist dies trotz immenser Verbesserung in den letzten Jahren in den buraku-Vierteln noch immer nicht vollständig der Fall. Das erklärt aber nur zum Teil, wieso dort der Anteil von kranken Personen etwa doppelt so hoch ist wie im landesweiten Vergleich. Nachdem sich seit etwa Mitte der sechziger Jahre auch die hygienischen Verhältnisse in den buraku-Distrikten erheblich verbessert haben, indem Kanalisationen errichtet wurden, sanitäre Einrichtungen Einzug gehalten haben und der Lebensstandard allgemein gestiegen ist, muss die Erklärung anderswo gesucht werden.

Ein möglicher Ansatz dazu könnte sein, dass strukturelle Probleme für die erhöhte Krankenrate verantwortlich sind.  Bedingt durch soziale Vergünstigungen wie stark bezuschusste Mieten sowie schlechte Aussichten für Burakumin auf dem Arbeitsmarkt,  führte dies zu einer Situation, die als quasi-subventionierte Arbeitslosigkeit bezeichnet werden kann. Diese schlechten Perspektiven bilden, oft gepaart mit Antriebslosigkeit und Resignation ob dieser Lage, die Rahmenbedingen für Alkoholismus und Verwahrlosung. In einer gewissen Weise kann hier von gyaku sabetsu, etwa „Diskriminierung durch Sonderbehandlung“   gesprochen werden.

Indirekte Diskriminierung durch soziökonomische Verhältnisse

Bildung

Art. 26 (1)Alle Bürger haben das Recht, eine ihren Fähigkeiten entsprechende gleiche Erziehung zu erhalten, wie vom Gesetz vorgesehen.

Wechsel von der Oberschule an eine Universität
Wechsel von der Oberschule an eine Universität

Durch die Sondergesetze konnte die Zahl der jugendlichen Burakumin, die nach der Mittelschule auf eine Oberschule wechseln, entscheidend erhöht werden. Während diese Zahl  Anfang der sechziger Jahre mit rund 30% weniger als die Hälfte des landesweiten Durchschnitts betrug[1], so konnte die Quote vor allem Dank der Einrichtung von Stipendienfonds bis auf wenige Prozentpunkte an diesen herangeführt werden.

Allerdings liegt bei Burakumin die Schulabbrecherquote beim zwei- bis dreifachen des nationalen Durchschnitts. In der Folge bedauern die Schulabbrecher ihren damaligen Schritt häufig. Bei einer im Mai 2000 in Ōsaka durchgeführten Studie gaben 30% an, gerne wieder die Schulbank zu drücken, um dadurch beispielsweise bessere Karrierechancen zu erhalten.  Besonders bei den Mittdreißigern, wo sich mehr als die Hälfte der Befragten dafür aussprach, war diese Tendenz zu verzeichnen. 18,9% der Burakumin geben an, in der Schule Diskriminierung erfahren zu haben, was viele davon abhält, ihre Schullaufbahn fortzusetzen und einen höheren Bildungsweg zu beschreiten. Außerdem rechnen sie sich aufgrund von Arbeitsplatzdiskriminierung keine großen Chancen auf eine gute Anstellung aus, selbst wenn sie sich anstrengen und gute Leistungen erzielen. Ein weiterer Grund sind hohe Schul- und Studiengebühren, die sich viele Familien nicht leisten können. Auch das Geld für die in Japan weit verbreiteten privaten Nachhilfe- oder Fremdsprachenschulen, die oft schon ab dem Kindergarten besucht werden, kann meist nicht aufgebracht werden.

Erreichte Schulabschlüsse von Burakumin
Erreichte Schulabschlüsse von Burakumin

Ferner müssen Burakumin-Kinder auf häusliche Unterstützung, bedingt durch die langen Arbeitszeiten der Eltern und deren eigenen geringen Bildungsgrad, oftmals verzichten. Zusätzlich verbringen die Kinder oft viel Zeit vor dem Fernseher, was der Fähigkeit, eigenständiges Denken zu entwickeln kontraproduktiv gegenüber steht. Überhaupt scheinen nicht wenige Eltern an der Freizeitgestaltung ihrer Kinder zu haben, und fördern gerade durch diese

Einstellung ein Abdriften ihrer Sprösslinge in Illegalität und Drogen.  Auch der 1946 geborene Schriftsteller Nakagami Kenji, der in einem buraku-Viertel in Shingu in der Präfektur Wakayama groß geworden ist gibt an, dass seine Mutter ihm früher verboten habe zu lesen mit der Begründung, er würde verrückt dabei werden. Die meisten der Kinder um ihn herum waren Analphabeten und Nakagami wurde von allen für die Tatsache bewundert, dass er seinen Namen lesen konnte. Die Zahl der Burakumin mit Schreib- und Leseschwächen ist immer noch erschreckend hoch. Die Quote derer, die nie eine Schule besucht oder nur die Grundschule beendet haben liegt weit über dem nationalen Durchschnitt.

Diskriminierung durch soziökonomische Verhältnisse

Arbeit

Art. 27 Alle Bürger haben das Recht und die Pflicht zu arbeiten.

Nachdem Mitte der siebziger Jahre bereits die Existenz von buraku-Listen aufgedeckt wurde, ergab sich im Juni 1998 mit dem sogenannten „Discriminatory background investigation“-Fall ein neuer Skandal, bei dem Burakumin auf dem Stellenmarkt benachteiligt wurden. Mehr als 1.400 Firmen, darunter auch präfektur- und staatseigene Betriebe, waren bei einer sich offiziell als Wirtschaftsberatungsunternehmen ausgegebenen  Agentur registriert, die über die Lebensläufe von Bewerbern Nachforschungen über deren Herkunft anstellte. Darunter waren auch wieder 200 Unternehmen, die schon damals Buraku-Listen erworben hatten.

Dieser Fall zeigt, dass Burakumin immer noch Diskriminierung bei der Arbeitsplatzsuche erfahren, wobei nur ein Teil mit deren niedrigerem Bildungsniveau, schlechtem Abschneiden bei den Einstufungstests zu rechtfertigen ist.

In den sechziger Jahren erklärten viele Firmen offen, keine Burakumin einzustellen.Dieser Trend hat sich insbesondere bei großen Firmen fortgesetzt. 1995 hatten nur 10,6% Arbeit in einem Unternehmen mit mehr als 300 Angestellten, während der nationale Durchschnitt dafür bei 23,3% liegt. Gerade aber die großen Unternehmen können ihren Arbeitnehmern höhere Löhne, Arbeitsplatzsicherheit und Zusatzleistungen bieten. Das japanische Sozialsystem bietet nur eine allgemeine Grundversorgung auf relativ niedrigem Niveau, wobei es gravierende Unterschiede bei den Leistungen gibt, durch die vor allem Beschäftigte in Kleinbetrieben oder Teilzeitbeschäftigte benachteiligt sind. Gerade letzteres ist unter den Burakumin weit verbreitet. Sie „[…] fungieren als Reservearmee, deren Existenz es den Unternehmen ermöglicht, je nach Wirtschaftslage ohne großen Aufwand Arbeitskräfte anzuheuern oder, ohne soziale Konflikte hervorzurufen, diese wieder abstoßen.“

Rund zwei Drittel der Burakumin sind in der Landwirtschaft, in Fabriken oder auf dem Bau beschäftigt. Überdurchschnittlich viele arbeiten in Berufen, die keine besondere Ausbildung zur Voraussetzung haben. Aber auch in ihrer klassischen Domäne als Lederverarbeiter, Schlachter oder Gerber finden sie noch Arbeit. Rund 90% der Beschäftigten in diesem Sektor sind Burakumin. Sie stellen immer noch einige der besten Handwerker und Gerber dar, manche besitzen sogar Firmen in diesen Bereichen. Besonders auf diesem Sektor sinkt aber generell die Nachfrage nach Arbeitskräften, da Japan damit weltweit nicht mehr konkurrenzfähig ist sondern zunehmend auf Importe setzt.

Nachdem der Regierung lange Zeit vorgeworfen wurde, Arbeitsplatzdiskriminierung  zu fördern, fanden als Ergebnis viele Burakumin Anstellungen beispielsweise als Sicherheitskräfte, Wartungspersonal oder Hausmeister in öffentlichen Schulen oder Kommunalverwaltungen. Festanstellungen ergaben sich auch im Staatsdienst, als Lehrer oder als Aufseher in Kindergärten.

Der Anteil an Arbeitslosen liegt bei den Burakumin höher als im nationalen Durchschnitt. Bei einer im Mai 2000 durchgeführten Untersuchung in der Präfektur Ōsaka hatten 9,7% der Männer in den buraku-Distrikten keine Arbeit, während sich der präfekturale Durchschnitt bei 6,6% bewegte. Die Frauen wiesen mit 8,2% im Vergleich zu 5,6% auf Präfekturebene nur einen geringfügig kleineren Wert auf. Noch schwerer betroffen von Arbeitslosigkeit sind junge Burakumin im Alter zwischen 20 und 24, deren Quote bei 15% (Männer) bzw. 16,9% (Frauen) im Vergleich zu gesamt 8,9% lag.

Vergleicht man die Einkommensstruktur, so stellt man fest, dass auch hier eine signifikante Benachteiligung vorhanden ist. Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines buraku-Haushalts lag 1984 bei etwa 60% des nationalen Durchschnitts.

Da sich der Großteil der Burakumin in einem permanenten Zustand der Halb-Arbeitslosigkeit befindet und daher gezwungen ist, auch niedrigste Löhne anzunehmen, wirkt sich ihre Existenz lohndrückend aus. Ihre Funktion als Lohndrücker wiederum begünstigt die Reproduktion von Diskriminierungsbewusstsein und bewirkt somit die Spaltung der arbeitenden Bevölkerung.

Aufgrund der unsicheren Arbeitsplatzperspektiven erhöht sich auf die Zahl der Burakumin, die in keine Rentenversicherung einzahlen, immer mehr, was sich negativ auf deren Situation im Alter auswirkt.

9,1% der Burakumin geben an, bei der Suche nach einem Arbeitsplatz Diskriminierung erfahren zu haben, sogar 17,5% wurden am Arbeitsplatz diskriminiert. Nachdem die Herkunft anfangs oft verschwiegen wird, ist es in der Folgezeit schwierig, nicht doch noch „entlarvt“ zu werden. Oft müssen abends Umwege über den falschen Wohnort gemacht werden, um die Kollegen zu täuschen. Um die Ursprungsadresse aus dem Melderegister zu löschen muss mindestens ein zweimaliger Umzug erfolgen. Wird aber entdeckt, dass man bei der Einstellung falsche Angaben gemacht hat, so kann dies durchaus eine Kündigung zur Folge haben.

Diskriminierung durch sozioökonomische Verhältnisse

Heirat

Art 24 (2) Hinsichtlich der Wahl des Ehegatten, des Güterrechts, des Erbrechts, der Wahl des Wohnsitzes, der Scheidung und anderer die Ehe und Familie betreffende Angelegenheiten werden vom Standpunkt der Würde des einzelnen und der wesensmäßigen Gleichheit der Geschlechter Gesetze erlassen.

Im Bereich Heirat erfahren Burakumin auch heute noch Diskriminierung, obwohl die Akzeptanz im Laufe der Jahre sicher gestiegen ist. Ein Fünftel der Burakumin, die mit einem Nicht-Burakumin-Partner verheiratet sind gibt an, im Vorfeld der Hochzeit Diskriminierung erfahren zu haben.  Rund die Hälfte derer, die geplant hatten, einen Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft zu ehelichen ist sich sogar sicher, Diskriminierung habe zum Scheitern der Beziehung geführt oder zumindest dazu beigetragen. Dies ist insofern überraschend, als dass sich in Umfragen nur 5,2% der Eltern von Nicht-Burakumin gegen eine Heirat mit einem Angehörigen der Minderheit aussprechen. 43,2% würden die Entscheidung in dieser Frage ihren Kindern überlassen. Allerdings dürfen diese Angaben von Nicht-Burakumin eher stark angezweifelt werden. Agenturen, die im Auftrag der Eltern Nachforschungen über die Herkunft des Partners anstellen verdienen immer noch viel Geld mit derlei Ermittlungen. Viele Eltern fürchten um ein Absinken ihres eigenen Ansehens, wenn ihre Tochter oder ihr Sohn eine Verbindung mit einem Burakumin eingeht. In nicht wenigen Fällen begehen diese in der Folge Suizid, da sie sich um ihre Lebensträume beraubt sehen. Ein Großteil der Burakumin heiratet immer noch einen Partner, der die gleiche Herkunft hat wie sie selbst. Nur 39% sind mit einem Nicht-Burakumin-Partner liiert.

Reflektionen zum buraku-mondaí

Durch die „divide and rule“-Theorie des Tokugawa-Shogunats wurde die japanische Bevölkerung in unterschiedliche Schichten aufgeteilt, mit dem Zweck durch die Spaltung der Gesellschaft Aufstände zu verhindern und somit die Macht zu sichern. Vier Jahrhunderte später ist in Japan der Verfassung nach jeder Bürger vor dem Gesetz gleich, doch eine Gleichheit innerhalb der Gesellschaft wurde immer noch nicht erreicht. Die Burakumin, als Nachfahren der untersten Schicht des Tokugawa-Shogunats, erfahren – wie in vorhergehenden Text dargelegt – weiterhin Diskriminierung in verschiedensten Bereichen. Die Frage nach den Ursachen dieser Tatsache würde sicherlich den für diese Arbeit gesetzten Rahmen sprengen, daher soll nur auf einen kurzen Gedanken hierzu eingegangen werden.

Um in der Terminologie von Norbert Elias zu sprechen: zwischen der normalen Bevölkerung Japans und den Burakumin herrscht ein Etablierten – Außenseiter-Verhältnis.

Die Aufteilung der japanischen Gesellschaft während der Tokugawa-Periode diente dem Zweck des Machterhalts der herrschenden Klasse. Es wurde ein System von Etablierten und Außenseitern künstlich erschaffen, welches auch heute noch abgeschwächt und in anderen Formen existiert. Doch weshalb überdauert dieses System so lange Zeit, obwohl bereits einschneidende Veränderungen in der Japanischen Gesellschaft hinsichtlich ihrer Demokratisierung stattgefunden haben? Norbert Elias schreibt hierzu: „Wenn sich das Machtgefälle verringert, die Machtbalance ausgeglichener wird, beginnen die früheren Außenseiter oft, sich zu rächen.“ Vielleicht ist gerade diese Angst der Etablierten dafür verantwortlich, dass die Diskriminierung über Jahrhunderte hinweg fortdauern konnte. Sie versuchten über all die Jahre erfolgreich, die Macht zu erhalten und sich selbst durch die Existenz einer Außenseiterschicht noch weiter zu bestätigen. Durch den stärkeren Zusammenhalt konnte sich die Etabliertengruppe ein höheres Machtgewicht reservieren und somit den Außenseiter – Etablierten Status aufrechterhalten.

Dass sich über die Zeit die Mittel der Machterhaltung vollkommen verschiedene Formen annahmen und zunehmend sublimer wurden geht einher mit dem Aufstreben der Befreiungsbewegungen der japanischen Unterschicht. Dass das Streben der Etablierten nach Machterhalt der wahre Grund für die Existenz der Diskriminierung von Burakumin ist, ist natürlich auch in Frage zu stellen, jedenfalls stellt diese Tatsache zumindest sicherlich einen Teilaspekt hierfür da. Zusätzlich kann man nicht sagen, ob dieses System der Etablierten und Außenseiter in Japan wirklich bewusst aufrecht erhalten wird, sicherlich aber spielt Machterhalt der Etablierten und deren Angst vor dessen Verlust noch unterbewusst eine Rolle. Wenn man von Angst der japanischen Bevölkerung gegenüber den Burakumin und deren Befreiungsbewegungen spricht, so muss man auf die Aktionen der buraku-Befreiungsbewegung und deren Wirkung auf die Mehrheitsbevölkerung ansprechen.

Ein erstes Problem stellt die Verteilung der finanziellen Mittel durch die lokalen Körperschaften, die aus hauptsächlich Büros der buraku-Befreiungsbewegung bestehen, dar. Dieses Problem wird im japanischen unter dem Begriff „madoguchi ippō“ (窓口一方) zusammengefasst. Die Schwierigkeit liegt darin, dass fast ausschließlich die Büros der buraku-Befreiungsbewegung für die Verteilung der Gelder auf die verschiedenen Förderungsprojekte zuständig sind. Diese Tatsache birgt die Gefahr in sich, dass die Büros, denen natürlich an der Verbesserung der Situation der Burakumin gelegen ist, die ihnen bereitgestellten Mittel ausschließlich für Projekte nutzen, die ausschließlich Burakumin zu Gute kommen. So stellen in dōwa-Distrikten z.B Koreaner. einen nicht unbedeutenden Anteil der Bewohner, kommt es nun aber zur Verteilung von Stipendien unter den Schülern eines dōwa-Bezirks ist es die Regel, dass ein Burakumin die Zusage erhält. Diese einseitige Vergabe der Fördermittel durch die Büros der buraku-Befreiungsbewegung birgt ein nicht zu vernachlässigendes diskriminierendes Element in sich, welches ebenfalls negative Auswirkungen auf die öffentliche Meinung bezüglich zur Lage der Burakumin in sich trägt.

Ebenfalls negative Effekte auf das Image der Burakumin in der japanischen Öffentlichkeit werden durch die Praxis des kyūdan hervorgerufen. Diese Form des aggressiven Aktionismus als Antwort auf Diskriminierung produziert in der Öffentlichkeit ein Bild der buraku-Befreiungsbewegung, das wohl nicht in der Absicht der Vertreter dieser Praxis liegen mag. Durch die Anwendung von kyūdan entstehen in der Bevölkerung Ängste vor den Burakumin, welche sich in dem Schlagwort „dōwa wa kowai“ („buraku-Integration ist schrecklich“) subsumiert finden. Durch kyūdan und ähnliche Aktionen, die darauf ausgerichtet sind, diskriminierende Handlungen öffentlich anzuprangern und eine Umerziehung zu erreichen, entsteht lediglich eine neue, sublimerer Form von Diskriminierung, die weiter besteht und noch schwieriger zu beseitigen sein wird.

Die Frage stellt sich jedoch, ob es sich überhaupt lohnt, sich derartige Gedanken  hinsichtlich der Vor- und Nachteile spezieller Praktiken der Befreiungsbewegung und deren Auswirkungen zu machen, da der Meinung der Verfasser nach die breite Bevölkerung sich nicht in geringster Weise bewusst ist, aus was das buraku-Problem eigentlich wirklich besteht. Obwohl im Rahmen der Sondergesetzgebung auch Aufklärung hinsichtlich der Menschenrechte (insbesondere auf die Situation der Burakumin ausgerichtet) beschlossen wurde und auch heutzutage noch unter dem Begriff „dōwa kyōiku“ (同和教育) praktiziert wird, scheint das Wissen und Verständnis der Mehrheitsbevölkerung zu diesem Thema sehr gering zu sein. Im Rahmen eines Japan Aufenthalts suchte der Verfasser desöfteren das Gespräch (hauptsächlich mit japanischen Studenten) über die Situation der Burakumin, musste aber feststellen, dass das Wissen über diese Thematik extrem begrenzt ist. So z.B. stellt sich die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, die Problematik der negativen Effekte der kyūdan-Praxis auf die japanische Bevölkerung zu diskutieren, wenn weder der Begriff noch die damit verbundenen Aktionen bekannt sind. Zudem herrschte eine vollkommene Kenntnislosigkeit der Gesprächspartner hinsichtlich der geschichtlichen Entstehungsgründe der Burakumin und deren gegenwärtiger Situation.

Jeder der Befragten erinnerte sich zwar, in der Schule ein Fach gehabt zu haben, das sich douwa kyouiku nenne, doch konkret konnte sich niemand an das Behandelte erinnern.

Aus dieser Ignoranz heraus  entstehen falsche Vorstellungen und Ängste.  Bevor der Verfasser dieser Arbeit in den Douwa Distrikt Naniwaku in Ōsaka  gehen wollte, um sich die Situation in einem Buraku an Ort und Stelle anzusehen, wurde er eindrücklich davor gewarnt, da es dort angeblich sehr gefährlich sei . Er werde höchstwahrscheinlich ausgeraubt oder zumindest von den dort ansässigen Jugendlichen belästigt. Das war jedoch nicht im Geringsten der Fall.
Aufgrund dieser Erlebnisse kam der Verfasser zu der Ansicht, dass die aufklärerische Arbeit im Bereich der douwa kyouiku entscheidend verbessert werden sollte, um einen weitreichenden Fortschritt des Wissens der Bevölkerung hinsichtlich des Buraku-Problems zu erreichen und somit Diskriminierung, die auf Ignoranz im Sinne von neta ko wa sono mama beruht , zu beseitigen.

Quellen und Abbildungsverzeichnis

Quellenverzeichnis Instrumente der Diskriminierung gegen Burakumin

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Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Buraku Liberation Research Institute (Hrsg.) (1991), The Reality of Buraku Discrimination in Japan, Ōsaka: Kaihō Shuppansha, S. 3

Abb. 2: Buraku Liberation Research Institute (Hrsg.) (1991), The Reality of Buraku Discrimination in Japan, Ōsaka: Kaihō Shuppansha, S. 4

Abb. 3: Online in Internet: URL: http://www3.justnet.ne.jp/~asao/suiheisha3.htm [Stand: 16.03.2003]

Abb. 4: Ōsaka-shi Jinken Kyōkai (Hrsg.) (2003), 50 nen no ayumi [Die Fünfzigjährige Entwicklung], Ōsaka: Ōsaka Jinken Center, S. 540

Abb. 5: Online in Internet: URL: http://www.bll.gr.jp/ [Stand: 14.03.2003]

Abb. 6: Online in Internet: URL: http://www.bll.gr.jp/siryositu/s-ta-matum.html [Stand: 20.03.2003]

Abb. 7: Buraku Liberation Research Institute (Hrsg.) (1991), The Reality of Buraku Discrimination in Japan, Ōsaka: Kaihō Shuppansha, S. 12

Abb. 8: vgl. Buraku Liberation Research Institute (Hrsg.) (1991), The Reality of Buraku Discrimination in Japan, Ōsaka: Kaihō Shuppansha, S. 5

Abb. 9: Ōsaka-shi Jinken Kyōkai (Hrsg.) (2003), 50 nen no ayumi [Die Fünfzigjährige Entwicklung], Ōsaka: Ōsaka Jinken Center, S. 512

Abb. 10: Buraku Liberation Research and Human Rights Institute (Hrsg.) (2002), Current Conditions of Buraku  and Distinguishing Features of Buraku Discrimination in Japan, Online in Internet: URL: http://blhrri.org/kokusai/un/un_0007-2.htm [Stand: 21.03.2002], S. 4

Abb. 11: vgl. Buraku Liberation and Human Rights Research Institute (Hrsg.) (1998), Buraku Liberation News No. 103 August 1998, Online in Internet: URL: blhrri.org/blhrri_e/news/new103/new10308.htm [Stand: 20.03.2003]

Abb. 12: vgl. Buraku Liberation and Human Rights Research Institute (Hrsg.) (1998), Buraku Liberation News No. 103 August 1998, Online in Internet: URL: blhrri.org/blhrri_e/news/new103/new10307.htm [Stand: 20.03.2003]

Abb. 13-22: Helmer, Michael, (2003), privat