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ラブホテル (rabu hoteru)

Das Problem, das vor allem junge Paare haben, ist der Platz. Bis zu einem gewissen Alter ist es üblich, noch bei den Eltern zu leben oder sie später wieder bei sich einziehen zu lassen, wenn man selbst Hausbesitzer ist. Das Paar teilt sich dann ein Zimmer neben dem der Eltern. Wände aus Papier und Holz sind nicht schalldicht. Intensive Geräusche können so nach nebenan und auf die Straße dringen, wo nicht das Gerücht umgehen soll, dass die Yamamotos gerne schnackseln – oder so ähnlich. Die Alternative bieten Love Hotels.

Ursprünglich als Ersatz für Bordelle gedacht, dienten sie Prostituierten stundenweise als Arbeitsplatz. Mit dem offiziellen Verbot von Sex gegen Geld, bekamen Love Hotels eine neue Bedeutung. Heute gelten sie nicht als anrüchig oder verdorben, sondern als diskret und geradezu notwendig. Man mietet ein Zimmer stundenweise oder eine ganze Nacht. Was man dort mit wem macht ist egal. In Tokyo sind viele Love Hotels sogar automatisiert, und es gibt keine Kassierer. Bei anderen sitzen sie hinter einer Blende, unter der nur die Hände, die das Geld entgegennehmen, herausschauen.

Als Übernachtungsmöglichkeit dienen sie Geschäftsleuten oder Reisenden auch als spontan verfügbares Hotel – auch wenn die Preise teurer sind als in regulären Einrichtungen. In Tokyos Viertel Shibuya gibt es mit dem Love Hotel Hill sogar eine ganze Kolonie der Stundenhotels, die in Preis und Qualität stark variieren. Sie dienen dem nahen Ausgehviertel als Ort für romantische Stunden. Denn in Japan heißt es am Ende eines Abends nicht »Zu dir oder zu mir?«, sondern »Ab ins Love Hotel, ich zahle!«

 


Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch „Japan 151: Ein Land zwischen Comic und Kaiserreich in 151 Momentaufnahmen“

Japan-151Autor: Fritz Schumann

Titel: Japan 151 – Ein Land zwischen Comic und Kaiserreich in 151 Momentaufnahmen

ISBN-Nr.: 978-3-943176-27-8

Verlag: CONBOOK Verlag

Hier können Sie das Buch bestellen